Forscher entdecken großes Meteoriten-Streufeld in der Schweiz

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Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern und der Universität Bern haben mit einer Gruppe Meteoritensammlern ein bedeutendes Fallereignis in der Meteoriten-Forschung zu Tage gefördert. Ein großes Streufeld befindet sich auf dem Twannberg nahe der Stadt Biel im Kanton Bern. Bislang konnten Forscher und Sammler rund 600 Bruchstücke des sogenannten „Twannberg-Meteoriten“, der größte von acht Meteoriten-Funden in der Schweiz, finden.  

Biel. Unter der Leitung von Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern hat ein Forscherteam in Zusammenarbeit mit der Universität Bern und einer Gruppe von rund 50 Meteoritensammlern ein großes Meteoriten-Fallereignis im schweizer Kanton Bern nachweisen können. Mehrere Suchkampagnen, die in den letzten drei Jahren stattgefunden haben, konnten insgesamt 600 Fragmente des Twannberg-Meteoriten gefunden werden. Es ist das erste bekannte Meteoriten-Streufeld in der Schweiz und eines der größten in Europa. Bei dem abgestürzten Himmelskörper handelt es sich um einen Eisenmeteoriten mit einem Durchmesse von sechs bis 20 Metern, wie physikalische Untersuchungen ergaben. Dies entspricht einer Masse von bis zu 30.000 Tonnen, womit der Twannberg-Meteorit einer der weltweit größten Eisenmeteoriten wäre.

Fundgebiet der Meteoriten-Fragmente
Fundgebiet der Meteoriten-Fragmente

Der Meteoritenschauer ging vor etwa 160.000 Jahren über dem Schweizer Jura am Nordrand des heutigen Bieler Sees nieder. Es wird vermutet, dass das Streugebiet noch deutlich größer ist, als bisher bekannt. Das Fundgebiet der Fragmente erstreckt sich über etwa 5 Kilometer Länge. Eine Ausdehnung auf bis zu 15 Kilometer sei möglich. Insgesamt wird eine Anzahl von über 1000 Meteoritenfragmente geschätzt.

Eine weitere Besonderheit: Es handelt sich um einen sehr seltenen Meteoritentyp. Dieser ist in die Klasse IIG einzuordnen, wovon es weltweit lediglich sechs anerkannte Funde gibt.

Das erste Fragment mit einer Masse von über 15 Kilogramm wurde bereits um Jahr 1984 von Landwirtin Margrit Christen gefunden. Ein zweiter Fund folgte im Jahr 2000 durch den späteren Meteoritensammler Marc Jost. Bis 2007 erfolgten drei kleine Funde von Goldwäschern im Twannbach – bis dahin konnten die gefundenen Fragmente nur bedingt Auskunft über den Fallortes geben, da sie entweder vom Bach oder von Menschenhand vom Fallort wegtransportiertert wurden. Ab 2009 führte eine Fundserie in der Twannbachschlucht zu neuen Erkenntnissen. Dennoch blieben noch Fragen viele Fragen offen. Ein entscheidender Fund gelang wiederum Marc Jost, der 2013  ein weiteres Fragment im Gebiet der Gruebma entdeckte. Beda Hofmann startete auf Basis dieses Fundes gezielte Suchkampagnen und erforschte die Ausdehnung des Streugebietes.

Gemeinsam mit insgesamt fast 50 Meteoritensammlern aus mehreren europäischen Ländern suchte Hofmann mit Metalldetektoren das Gebiet ab. Die Anzahl der gefundenen Stücke übertraf alle Erwartungen: 570 Stücke mit einem Gesamtgewicht von 72.5 Kilo konnten bis Juni 2016 ausfindig gemacht werden. Dabei wurde das Gebiet mit den Fundorten stetig ausgedehnt, die grösste Anzahl Funde (bislang 451 Exemplare) stammt vom Mont Sujet.

In den nächsten Jahren plant das Naturhistorische Museum weitere Suchkampagnen. Auch Privatpersonen sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Gesetzliche Regelungen schränken allerdings die Suche ein.

Weitere Informationen auf der Homepage des Naturhistorischen Museums:
http://www.nmbe.ch/informieren/aktuell/mediencorner/das-erste-meteoriten-streufeld-der-schweiz-entdeckt (18. August 2016)

Zum Meteoritenfund:
https://www.twannbergmeteorit.ch/


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.