Klimawandel bedroht Dolomiten

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Einer der größten Erdrutsche der vergangenen Jahre hat sich am Wochenende in den Italienischen Alpen ereignet. Dabei stürzten fast 500.000 Kubikmeter Gestein in ein Tal. Geologen sehen dieses Ereignis als Folge des Klimawandels und fürchten, dass die gesamten Dolomiten in Zukunft betroffen sein könnten.

Bozen. Es hatte sich bereits Tage vorher angekündigt. Im Pragser Tal stürzte in der Nacht zu Samstag (20. August) eine gewaltige Felsmasse ins Tal. Ein großer Erdrutsch, wo nach ersten Schätzungen bis zu 500.000 Kubikmeter Gestein in Bewegung geraten sind. Er ereignete sich an der 2965 Meter hohen Sextener Rotwand, im Dreieck der Regionen Südtirol, Venetien und des österreichischen Bundeslands Tirol, nordöstlich des Wintersportortes Cortina D’Ampezzo. Der Vorfall kündigte sich bereits Tage vorher an, als Risse im Berg beobachtet worden sind. Daraufhin sperrten Behörden einige Wanderwege in der ansonsten unbesiedelten Region. Somit kam es nicht zu Schäden.

Sextener Rotwand (Wikipedia)
Sextener Rotwand (Wikipedia, Steffen962)

Ursache des Erdrutsches ist nach Ansicht der Forscher der fortschreitende Klimawandel. Durch die höheren Temperaturen schmilzt der mehrjährige Permafrostboden im Inneren der Berge. Das Eis, das Boden und Gestein zusammenhält, wird weniger und die Masse löst sich.
Der Klimatologe Luca Mercalli sagte in einem Interview, die weiterhin steigenden Temperaturen könnten in den nächsten 15 Jahren das Antlitz der Alpen verändern. Auf den 3000 Meter hohen Bergen der Dolomiten sei noch immer der Permafrostboden vorhanden. Der Sommer 2015 war der heißeste der italienischen Geschichte und 2016 läuft darauf hinaus, der heißeste weltweit zu werden, auch wenn dies in Mitteleuropa weniger ausgeprägt war. Dieser Trend würde die Wahrscheinlichkeit für massive Erdrutsche erhöhen, die dann schließlich auch die einzigartige Landschaft der Dolomiten verändern würde.
Auch in den anderen Teilen der Alpen macht sich der Klimawandel mit geologischen Phänomenen bemerkbar, so Mercalli. Im Aostatal brachen vor einigen Wochen die Wassermassen eines kleinen Gletschersees durch den ansonsten gefrorenen Boden und gelangte in einen Bach. Touristen beobachteten den sich bildenden Schlammstrom, der aber keine Schäden verursachte.


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.