Geothermie: Wassersuche in Schwerin

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In Lankow, einem westlichen Vorort von Schwerin, laufen die Vorbereitung zur Errichtung eines Geothermie-Kraftwerkes. Der Standort ist gefunden. Die Energieversorgung Schwerin GmbH & Co. Erzeugung KG (EVSE) plant dort eine 1.200 Meter tiefe Bohrung zur Geothermie-Gewinnung. Am Mittwoch beginnen die Seismik-Untersuchungen – und stoßen auf Kritik.

Vibro-Fahrzeug der DMT (Symbolbild, Wikipedia)
Vibro-Fahrzeug der DMT (Symbolbild: Wikipedia, Horemu, CC-BY SA )

Schwerin. Die Vibro-Fahrzeuge rollen an. In Vorbereitung auf die Geothermie-Anlage in Lankow werden vom 24. bis 29. August seismische Untersuchungen bei Schwerin durchgeführt. Mit dieser soll der Untergrund unter der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns erkundet werden. Die Vibro-Fahrzeuge der DMT erzeugen dabei auf vorher festgelegten Routen Schwingungen ähnlich denen eines natürlichen Erdbebens. Die seismischen Wellen gelangen von der Quelle in die obere Erdkruste und werden dort, zum Beispiel an Schichtgrenzen und Inhomogenitäten, reflektiert. An der Oberfläche wird ein System von empfindlichen Geofonen ausgelegt, mit denen die seismischen Wellen registriert und ausgewertet werden können. Dadurch geschieht ein dreidimensionaler Einblick in den Untergrund. Ziel ist es, grundwasserführende Schichten in geeigneter Tiefe genau zu lokalisieren, um diese später für das Geothermie-Kraftwerk nutzbar zu machen.

Für Anwohner besteht bei diesen Messungen keine Gefahr. Die Fahrzeuge werden alle 50 Meter für wenige Minuten Vibrationen erzeugen. Diese sind in direkter Umgebung spürbar, werden allerdings in Siedlungen nicht so stark sein, dass Schäden möglich sind oder eine Belastung entsteht. Dies ist in der DIN 4150 vorgeschrieben. Vergleiche mit Erdbeben in Schwerin, die einige Medien und Projektkritiker aufbringen, sind daher nicht realistisch. Auch das geplante Kraftwerk selbst steht in der Kritik. Andere Geothermie-Kraftwerke haben nachweislich bereits durch kleine Erdbeben und morphologische Veränderung zu Schäden in der Umgebung geführt. Dass dieses in Schwerin ebenfalls passiert, ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Auch um diese Gefahr besser einschätzen zu können, finden die Messungen statt.

Die Stadtwerke Schwerin haben die genauen Routen der Fahrzeuge auf ihrer Homepage dargestellt. Zudem stehen dort weitere Medien bereit, wo sich Bürger über das Projekt informieren und weitere Hintergründe zur Funktionsweise erfahren können. Am heutigen Dienstag (23.) gibt es auf dem Gelände des Heizkraftwerks von 16 bis 18 Uhr eine technische Vorstellung, wo Interessierte Bürger teilnehmen können.

http://www.stadtwerke-schwerin.de/home/ueber_uns/geothermie/Vibro-Seismik-Messungen,swsr_id,786,swsr_inhalt_id,1691.html
Infos auch bei der SVZ


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.