Neue Studie stellt Unbeweglichkeit von Asbestfasern im Erdreich infrage

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Asbest (Quelle: uni-freiburg.de)

Viele Jahrzehnte lang wurde Asbest wegen seiner Vielseitigkeit geschätzt. Doch nun bahnt sich 73 Jahre nach der Entdeckung seiner karzinogenen Wirkung das nächste große Ungemacht an.

Eine Studie der Scripps Institution of Oceanography an der University of California San Diego um die Wissenschaftlerin Jane Willenbring stellt eine lange Zeit gültige Überzeugung auf den Prüfstand. Bisher ging man davon aus, Asbestfasern könnten sich im Erdreich nicht mehr bewegen und so für den Menschen unschädlich gemacht werden. Selbst die U.S. Environmental Protection Agency entsorgte bisher Asbest-Abfälle auf diese Weise, um zu verhindern, dass giftiger Staub in Luft und Wasser gelangt.

Die Wissenschaftler um Willenbring fanden nun allerdings heraus, dass sich kleinste in der Erde enthaltene organische Substanzen an die Fasern heften. Dies führt zu einer Änderung der elektrischen Ladung an der Oberfläche des Asbest-Partikels, was es ihm erlaubt, sich ungehindert durch das Erdreich zu bewegen. Für diesen Prozess sind schon geringe Mengen an Wasser ausreichend; durch naheliegende Gewässer und damit einen höheren Wasseranteil in der Erde wird er weiter beschleunigt. „Wenn sich also Wasser – wie beispielsweise ein Bach – mit organischem Material in der Nähe von asbestverseuchten Abfällen befindet, eröffnet dies möglicherweise einen Transportweg hin zur Inhalation durch den Menschen“, so die Professorin. Man müsse diesem Verdacht nun weiter nachgehen und gegebenenfalls alle Lagerstätten auf etwaige Austritte untersuchen.

Asbest ist eines von sechs natürlich vorkommenden faserigen Mineralen. In jüngerer Vergangenheit wurde es häufig als Brandschutz, Isolation oder als Bremsbelag verwendet. Dabei gelangte jedoch karzinogener Staub in die Luft, welcher bei Inhalation durch Lebewesen zum Wachstum eines diffusen Tumors (Mesotheliom) in der Lunge führen kann. Zuerst trat diese seltene Krebserkrankung lediglich bei Arbeitern im Bergbau auf, später auch in Dörfern und Städten, die die vermeintliche „Wunder-Faser“ im Bauwesen nutzten. Aus diesem Grund wurden bestehende Bau- und Werkstoffe aus Asbest nach und nach entfernt und eingelagert.

 

Veröffentlicht auf Scripps Institution of Oceanography (23.08.2016)


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Christoph Faist

Studiert seit 2015 am gemeinsamen Geozentrum von LMU und TU in München.

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