Tropenwetter – Sturmsaison erreicht Höhepunkt

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Jedes Jahr im Frühherbst steuert die Sturmsaison auf ihren Höhepunkt zu. Der starken Sonneneinstrahlung im Sommerhalbjahr auf der Nordhalbkugel folgt nun die Zeit, in dem die Weltmeere auf der Nordhalbkugel ihre höchsten Temperaturen erreicht haben, dies bleibt nicht ohne Folgen.

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Taifun Lionrock südlich von Japan

Lage auf dem Westpazifik:
Taifun Lionrock ist am Vormittag MESZ auf die Japanische Hauptinsel Honshu getroffen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150km/h war es der erste Taifun seit 1951 der die Ostküste der Region Tohoku traf. Mehrere Gebäude wurden durch umstürzende Bäume beschädigt und Dächer abgedeckt. Mindestens eine Person wurde in der Präfektur Miyagi verletzt. Bereits in den letzten Tagen hatte der Sturm auf den Okinawa-Inseln 57 Verletzte gefordert. Zwischenzeitlich erreichte der Taifun Windgeschwindigkeiten von bis zu 215km/h.

Erst vor etwa einer Woche, wir berichteten, traf Taifun Mindulle auf Japan. Damals schaffte der Sturm es kaum in die internationale Presse. Diesmal hingegen stürzen sich die Medien regelrecht auf Taifun Lionrock, obwohl er bei Landfall nur gering stärker als Mindulle war. Vermutlich liegt dies daran das der Taifun Fukushima um 200 Kilometer verfehlte. Zwar regnete und stürmte es in der vom GAU betroffenen Region auch, allerdings weitaus weniger Schlimm als am Ort des Landfalls, an dem der Sturm auch nichts ungewöhnliches war. Im Winterhalbjahr wird der Norden des Landes häufig von ähnlich starken aber außertropischen Stürmen (dt. Orkan) getroffen.

Eine weitere Tropische Depression befindet sich derzeit nördlich der Wake-Insel, etwa 2.200 Kilometer östlich der Marianen. Die Zukunft des Systems ist noch offen.

Bisher hat es in diesem Jahr, nach einer sehr langen ruhigen Phase im Frühjahr, 25 Tropische Depressionen gegeben, vier von ihnen erreichten Taifunstärke. Ursache der geringen Aktivität könnte das sich derzeit entwickelnde Phänomen La Nina sein, das unter anderem die Wassertemperatur sinken lässt.

Lage auf dem Ostpazifik:
Zwischen Hawaii und Amerika verläuft die diesjährige Saison bereits seit längerem auf Hochtouren. Nach dem Rekord an Hurrikans im vergangenen Jahr verläuft die diesjährige Saison zwar ruhiger aber immer noch überdurchschnittlich.

Östlich von Hawaii befinden sich derzeit die beiden Kategorie 3 Hurrikans Lester und Medeline. Beide erreichten zwischenzeitlich Kategorie 4. Madeline wird wohl gegen Mittwoch Abend knapp südlich von Big Island als Kategorie 1 Sturm vorbei ziehen, möglicherweise die Insel sogar direkt treffen. Es drohen Starke Regenfälle, Sturm, hoher Wellengang und Erdrutsche. Ab Samstag wird Lester Nördlich der Inselgruppe ebenfalls als Kategorie 1 Sturm vorbeiziehen. Auch Lester könnte die Inseln direkt treffen. Nach Angaben einiger Deutscher Medien wird Hurrikan Madeline hingegen mit voller Stärke auf die Inselgruppe treffen, demnach rast er zurzeit auf Hawaii zu. Aktuelle Vorhersagen wiedersprechen zum einen dass er die Inseln überhaupt direkt trifft, schon gar nicht als Kategorie 4 Sturm. Außerdem „rast“ er nicht auf Hawaii zu, sondern mit eher langsamen 15km/h.

Bisher gab es im Pazifik östlich der Datumsgrenze 15 Tropische Depressionen, acht erreichten Hurrikanstärke. Damit ist bereits die Anzahl einer Durchschnittlichen Saison, die bis zum 30. November andauert, erreicht.

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Aktuelle Stürme auf dem Atlantik

Lage auf dem Atlantik:
In der für uns in Europa nicht unwichtigen Region sind derzeit 3 Tropenstürme gleichzeitig aktiv, so viele wie seit 2013 nicht mehr. Es ist möglich das am Freitag ein weiterer Sturm hinzu kommt.

Hurrikan Gaston, aktuell ein Kategorie 2 Hurrikan, bedroht voraussichtlich am Freitag die Azoren. Danach löst sich der Sturm wohl rasch auf. Westlich der Südspitze Floridas sowie knapp vor der Küste North Carolinas befinden sich Tropische Depressionen die beide noch Heute Abend zum Tropensturm hochgestuft werden könnten. Sie würden dann die Namen Hermine und Ian erhalten. Der „Florida-Sturm“ wird voraussichtlich noch als Tropensturm über Florida hinweg und dann die US-Ostküste entlang ziehen. Der „North-Carolina-Sturm“ wird wohl Ebenfalls die US-Küste entlang ziehen. Nahe der Kapverden befindet sich ein weiteres System, das am Freitag wohl die nötigen Eigenschaften erreicht, um als Tropensturm zu gelten. Erste Vorhersagen sehen seine Zugbahn weit auf dem Atlantik. Der Sturm würde dann den Namen Julia erhalten.

Bisher gab es 9 Tropische Depressionen von denen drei Hurrikanstärke erreichten. Obwohl zunächst eine Überdurchschnittliche Saison vorhergesagt wurde, wird inzwischen ein normales Jahr erwartet.

Lage auf dem Nordindischen Ozean:
Im Nordindischen Ozean gehen die Uhren anders. Die Hauptsaison ist hier vor und nach dem Monsun, der von Juni bis Oktober anhält. Daher ist zurzeit kein Sturm aktiv. Der bisher stärkste Sturm, Roanu, zog im Mai die Ostküste Indiens entlang und traf in Bangladesch auf Land. Der Sturm erreichte zwar nur Windgeschwindigkeiten bis 100km/h forderte der Sturm eine Hohe Opferzahl. Starke Regenfälle in Sri Lanka überfluteten weite Landstriche, mehrere Dörfer wurden durch Erdrutsche vollständig verschüttet. Neben Roanu gab es drei weitere Depressionen.

Aufgrund der Hohen Bevölkerungsdichte, der niedrig gelegenen Küstenabschnitte und der einfachen Bauweise kommen in Südasien bereits bei schwachen Stürmen viele Menschen ums Leben. Bei starken Stürmen wie Nargis in 2008 (Windgeschwindigkeiten bis 215km/h) kommen oft Zehntausende Menschen ums Leben. Auch Indien war immer wieder davon betroffen. Seitdem ein  Katastrophaler Zyklon bis zu 15.000 Menschen 1999 tötete begannen die Indischen Behörden mit der Umstrukturierung des Katastropenschutzes. Als 2013 Zyklon Phailin die gleichen Regionen wie 1999 bedrohte wurden über 1,3 Millionen Menschen evakuiert. So konnte eine Katastrophe wie 1999 verhindert werden.


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Lukas Rentz