Lithologie bestimmt Methan-Freisetzung am Meeresgrund

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Durch den Klimawandel erwärmen sich die Meere. Besonders im Nordatlantik zeigen die steigenden Temperaturen Auswirkungen. An den Kontinentalhängen dort lagern riesige Vorkommen an Methanhydraten, kristalline, im Sediment gebundene Formen des Gases Methan. Diese könnten durch steigende Temperaturen destabilisiert werden. Forscher entdeckten nun, dass andere Faktoren bestimmen, ob Methan freigesetzt werden, oder nicht.

Die norwegische Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) in der Arktis. Forscher untersuchten das Sediment vor der Westküste der Inseln
Die norwegische Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) in der Arktis. Forscher untersuchten das Sediment vor der Westküste der Inseln

Tromsö. Methanhydrate gelten als potentielle Energiequelle der Zukunft. Das in den Sedimenten der Weltmeere gebundene Material könnte abgebaut und zur Stromerzeugung verwendet werden. Auch in Science-Fiction Romanen wie Frank Schätzings „Der Schwarm“ spielen Methanhydrate eine Rolle – allerdings als Auslöser einer gewaltigen Tsunamikatastrophe.

Wissenschaftler der Universität Tromsö (Norwegen) untersuchten nun, was die Freisetzung von Methan aus Methanhydraten am Meeresgrund bestimmt. Dazu wurden vor der Küste der Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) im Arktischen Ozean Proben genommen. Dabei untersuchten sie das Gehäuse von Foraminiferen, einer Algengruppe. Der Theorie nach bestimmt die Meerestemperatur die Freisetzung von Methan, wenn sich Methanhydrate zersetzen. Hydrate sind bei niedrigen Temperaturen stabil. Demnach müsste zur Zeit der letzten Eiszeit auch in flacheren Meeren unterhalb der Gletscher Methanhydrat stabil gewesen sein, das nach dem Ende der Vergletscherung freigesetzt worden ist. Die Untersuchung der Foraminiferen, die als Proxy für die Chemie des Sediments genommen wurden, zeigte jedoch, dass zu der Zeit kein Methan freigesetzt wurde. Auch Untersuchungen der Sedimentchemie und der Magnetischen Suszeptibilität von vier Bohrkernen lieferte dieses Ergebnis.

Die Forscher vermuten, dass die Lithologie des Sediments bestimmt, ob Methan freigesetzt wird oder nicht. Darunter zusammengefasst sind Eigenschaften wie Korngröße, Kornverteilung und Schichtung des Sediments. Um mehr herauszufinden müssten weitere Bohrungen und seismische Untersuchungen getätigt werden.

Durch Freisetzung des Treibhausgases Methan könnte die globale Erwärmung weiter beschleunigt werden. Es sei wichtig herauszufinden, welches Potential durch die zur Zeit stattfindende Erwärmung der Meere besteht. Beim Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze, so wird angenommen, hatte die Freisetzung von Methan aus Methanhydraten, die der globalen Erwärmung durch die Flutbasalteruption im heutigen Sibirien folgte, einen starken Einfluss aufs Klima.

Publikation: Panieri, G., C. A. Graves, and R. H. James (2016), Paleo-methane emissions recorded in foraminifera near the landward limit of the gas hydrate stability zone offshore western Svalbard, Geochem. Geophys. Geosyst., 17, 521–537, doi:10.1002/2015GC006153.
https://cage.uit.no/news/sediments-control-methane-release-to-the-ocean/


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.