Warum alte Vulkane mehrere Schlote brauchen

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Vulkane stellen eines der beeindruckendsten geologischen Phänomene dar. Ihre Ausbrüche sind in vielen Fällen schön anzusehen, können aber auch Tod und Zerstörung verursachen. Deswegen ist es für die Bewohner vulkanischer Gebiete wichtig, bevorstehende Eruptionen frühzeitig zu erkennen. Doch nicht nur der genaue Zeitpunkt der Eruption gibt Rätsel auf. Vor allem beim Ätna in Italien wissen Forscher nicht mal, wo die nächste Eruption genau stattfindet.

Catania. Fragt man Kinder, wie sie einen Vulkan beschreiben würden, ist das Ergebnis eindeutig: Ein hoher Berg mit steilen Flanken, der statt einer Spitze ein Loch im Gipfel hat. So ist es bei vielen Vulkanen der Fall, die nur einen Krater haben, also nur einen Ort, wo regelmäßig das glühende Gestein austritt. Einige Vulkane lassen sich nicht diesem Schema zuordnen. Diese sind von Kratern übersät und zeigten selbst in jüngerer Vergangenheit verschiedene Eruptionszentren. Der bekannteste dieser Berge ist der Ätna auf der Italienischen Insel Sizilien. Im Gipfelbereich gibt es mehrere Krater. Zudem finden sich auf den Flanken hunderte sogenannte Parasitärkrater, an denen in der Vergangenheit Lava ausgetreten ist. Einige liegen sogar direkt am Stadtrand von Catania.

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Blick auf den Ätna (Wikipedia, Von http://flickr.com/photos/filicudi/ - http://flickr.com/photos/filicudi/177623718/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=942365)
Blick auf den Ätna (Wikipedia, Von http://flickr.com/photos/filicudi/ – http://flickr.com/photos/filicudi/177623718/, CC BY 2.0)

Warum der Ätna und viele andere Vulkane vom üblichen Schema des Zentralkraters abweichen, haben Forscher der Universität Rom und des INGV Catania in einer Studie untersucht.Dabei beobachteten sie die Verlagerung der Erupionszentren im vergangenen Jahrzehnt. Da der Ätna häufig, meist mehrmals im Jahr tätig ist, kann diese Kraterevolution innerhalb einer kurzen Zeitspanne beobachtet werden, was bei anderen Vulkanen mehrere Jahrhunderte dauert.
Zunächst war der Zentralkrater Voragine Schauplatz der Aktivität. Später verlagerte sich diese an neue Krater im Süden und Südosten. In den letzten Monaten war es wieder die Voragine, wo Eruptionen beobachtet wurden. In seiner Vergangenheit bildete der Ätna immer wieder neue Gipfel, die schnell wieder durch Erosion oder neue Eruptionszentren diesen Status verloren.

Die Forscher erklärten, dass die gesamte Nordostflanke des Ätnas instabil sei. Unter dem Gewicht des Gipfels wird der Berg durch die Magmabewegungen praktisch ausgehöhlt. Es kommt zum Einsinken und zur Bildung neuer Risse, wodurch sich der Spannungszustand verändert und das Magma einen anderen Weg an die Oberfläche findet. Dies tritt besonders bei alten Vulkanen auf.
Um die genauen Prozesse zu verstehen, seien weitere Studien nötig. Dies sei essentiell, um zukünftige Ausbrüche besser vorherzusagen. Angesichts der Instabilität sei zudem das Risiko von Erdrutschen erhöht.

Quelle: Valerio Acocella et al, Why Does a Mature Volcano Need New Vents? The Case of the New Southeast Crater at Etna, Frontiers in Earth Science (2016). DOI: 10.3389/feart.2016.00067 http://phys.org/news/2016-09-vent-isnt-volcanoes.html#jCp


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.