Die älteste bekannte Massenmigration

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trilobit

Eine Gruppe von Geologen meint, Hinweise auf einen Marsch von Trilobiten in Polonaise-Formation gefunden zu haben. Diese augenlosen Lebewesen seien blind dem vorangehenden über den Meeresboden gefolgt. Die daraus resultierenden langen Reihen erinnern auf unheimliche Art und Weise an die Migrationsketten der heute lebenden Hummer.

Vielen Fossil-Jägern sind die kleinen, den Asseln ähnelnden Gliederfüßer bekannt, die in der Zeit zwischen 520 und 250 Millionen Jahren lebten und wegen ihrer hohen Diversität Leitfossilien unter Anderem des Kambriums und des Ordoviziums darstellen. Einige Arten waren nur knapp 1 – 2 mm groß (Acanthopleurella stipulae), während andere auf eine Größe von 70cm heranwuchsen (Isotelus Rex).

 


Kriterien eines „Leitfossils“ zur Altersbestimmung:

1. Große Geographische Verbreitung

2. Hohe Biodiversität (stark unterschiedliche Merkmale)

3. Kurze Reichweite der einzelnen Phänotypen

4. Hohe Fundwahrscheinlichkeit


 

Die blinde Spezies Trimerocephalus chopini, welche in großer Zahl im 365 Millionen Jahre alten Gestein des Kowala-Steinbruchs zu finden sind, untersuchten Blazej Blazejowski der Academy of Sciences in Warschau und Carlton Brett mit seinem Team an der University of Cincinnati in Ohio. Es ist allerdings nicht die schiere Fülle der Gliederfüßer, sondern das Muster, das sie bilden, das den Forschern Rätsel aufgibt: Viele der Trilobiten formen bis zu 19  Individuen umfassende Ketten, indem sie sich Kopf-an-Schwanz hintereinander positionieren.

Brett zufolge seien diese Funde einer der stärksten Beweise dafür, dass urzeitliche Arthropoden zusammen kamen, um gemeinsam über den Meeresboden zu wandeln. Zwar gäbe es Berichte von älteren Funden, aber dieser sei bei Weitem der Besterhaltene.

Die beiden Wissenschaftler nannten auch einen möglichen Grund für diese ungewöhnliche Zusammenkunft: Offenbar bewegten sich die Lebewesen von oder zu einem Brutgebiet. Darauf deutet die gleichmäßige Größenverteilung hin; 50% besitzen zehn Segmente, 50% jedoch nur neun. Da Größenunterschiede im Tierreich oft auf das Geschlecht hindeuten, könne man davon ausgehen, dass zu gleichen Teilen Männchen und Weibchen an der Wanderung beteiligt waren.

Segmentierung eines Trilobiten
Segmentierung eines Trilobiten

Die blinden Tiere mussten also Wege gefunden haben, um den Anschluss an die Vorausgehenden nicht zu verlieren; Denkbar wäre das unter Verwendung chemischer Duft- und Lockstoffe, möglicherweise hielten sie den Kontakt aber auch mit ihren langen Antennen. Während einer solchen Wanderung ereilte sich dann ihr Schicksal. Die intakte Formation lässt auf einen plötzlichen Sauerstoffabfall schließen der die Tiere ersticken ließ, gefolgt von einer raschen Abdeckung mit Sedimenten.

Kritiker hingegen meinen, diese Theorie sei aus der Luft gegriffen, da solch lange und fragile Reihen unmöglich die Jahrmillionen unbeschadet überstehen könnten.

    

    

Quelle: BBC/earth

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Christoph Faist

Studiert seit 2015 am gemeinsamen Geozentrum von LMU und TU in München.

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