Italien – Erdbebenzentrum Europas

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In diesem Jahr haben bereits mehrfach schwere Erdbeben Mittelitalien heimgesucht. Im August starben 298 bei einem Erdbeben in Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto. Die Zerstörungen waren im Oktober die gleichen, wie durch ein Wunder starb aber niemand in den Trümmern. Doch warum trifft es immer wieder Italien?

Mehrere Gründe sorgen für die Verwundbarkeit des Landes. Zum einen ist Italien ein dicht besiedeltes Land. Im Europäischen Vergleich fällt dies nicht sehr auf, so leben in den Niederlanden doppelt so viele Menschen auf einem Quadratkilometer wie in Italien, im weltweiten vergleich trotzdem teilweise weit vor Staaten wie Nepal, China, Indonesien oder Ecuador, in denen es regelmäßig ebenfalls katastrophale Erdbeben gibt. Die dichte Besiedlung sorgt dafür das auch schwerer zugängliche Gebiete besiedelt werden.

Zum anderen ist es die hohe Intensität die Erdbeben trotz geringer Stärke erreichen. Sowohl das Erdbeben von Amatrice also auch die Erdbeben im Oktober erreichten Intensität IX. Häufig hört man in Medien, wäre die Bauweise besser, würde nichts passieren. Allerdings halten selbst moderne Gebäude solche Erdbeben kaum aus. Die Ursache der hohen Intensitäten ist die häufig geringe Tiefe der Erdbeben, sowie der lockere Boden in den Bergtälern.

Italien hat zwar weniger Erdbeben als Griechenland, dort finden hingegen Starke Erdbeben aber oft vor der Küste statt, solange kein Tsunami ausgelöst wird, bleiben diese Erdbeben weitestgehend folgenlos.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass Italien in seiner langen Geschichte immer wieder von katastrophalen Erdbeben getroffen wurde. Zuletzt traf es im Mai 2012 den Norden des Landes.

 

Schäden in Finale Emilia

Erdbeben in der Emilia-Romagna 2012
Als in der Nacht zum 20. Mai ein leichtes Erdbeben der Stärke 4,0 die Städte Bologna, Modena und Parma erschütterte, dachte niemand daran, dass nur 3 Stunden später ein Erdbeben der Stärke 6,0 Norditalien und angrenzende Alpenländer erschüttert. Sieben Menschen kamen ums Leben. Nur 9 Tage später erschüttert eine Serie weiterer Erdbeben bis Stärke 5.8. Viele zuvor beschädigte Gebäude stürzten ein, 20 weitere Menschen überlebten dies nicht.

 

A damaged church in L'Aquila
Weite Teile von L´Aquila wurden 2009 zerstört. Noch Heute sind weiter Teile der Altstadt abgesperrt und Unbewohnt.

Das Erdbeben von L´Aquila 2009
Seit Ende März 2009 haben leichte Erdbeben die Stadt in Mittelitalien erschüttert. Geologen gaben an, dass solche Erdbebenschwärme, wie sie in Italien regelmäßig auftreten, keine Seltenheit sind, und man nicht auf ein schweres Erdbeben schließen könne. Dennoch ereignete sich am Morgen des 6. April ein Erdbeben der Stärke 6,3 nahe der Stadt. Die Altstadt wurde vollkommen zerstört und 309 Menschen fanden in diesem Erdbeben den Tod. Die Geologen wurden 2012 zu mehrjährigen Haftstrafen wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, später aber freigesprochen: Denn Erdbeben sind nicht vorhersehbar.

 

Die Eingestürzte Schule in San Giuliano di Puglia

Die Katastrophe von San Guiliano di Puglia 2002
Die kleine Gemeinde in der Süditalienischen Region Molise wurde am Mittag des 31. Oktober von einem Erdbeben der Stärke 6,0 getroffen. Als einziges Gebäude stürzte eine Schule ein, in ihr, 58 Schüler, vier Lehrer und zwei Hausmeister. Ein Lehrer, 27 Schüler sowie 2 Frauen in anderen Teilen des Ortes starben.

 

Einsturz der Basilika San Francesco in Assisi 1997

Das Erdbeben von Assisi 1997
Seit dem Frühjahr 1997 haben immer wieder leichte Erdbeben die Stadt in Mittelitalien, nur wenige Kilometer nördlich der Region, die vergangenen Sonntag (30. Oktober) von dem schweren Erdbeben betroffen war, erschüttert. Im Sommer des Jahres endete der Erdbebenschwarm. Ab Anfang September lebte der Erdbebenschwarm wieder auf, gefolgt von einem Erdbeben der Stärke 5,8 in der Nacht zum 26. September, bei dem zwei Personen ums Leben kamen. Es entstanden schwere Schäden, betroffen auch die Basilika San Francesco,  viele Menschen betraten ihre Häuser nach dem Erdbeben in der Nacht nicht mehr. Am Vormittag des Tages folgte ein weiteres Erdbeben der Stärke 6,1. Bei diesem Erdbeben starben neun Personen, darunter vier, die in der Basilika San Francesco mit Renovierungsarbeiten beschäftigten waren als das Dach einstürzte.

 

Zerstörungen in Teora 1980

Das Erdbeben von Irpinia 1980
Am Abend des 23. November 1980 traf ein Erdbeben der Stärke 6,9 den Süden Italiens. Verbreitet gab es schwere Schäden, darunter auch in Neapel. Fast 3000 Menschen kamen ums Leben. Es ist bis Heute das folgenreichste und stärkste Erdbeben in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Erdbeben von Friaul 1976
Am 6. Mai werden Norditalien, Österreich und Slowenien von einem schweren Erdbeben der Stärke 6,5 getroffen. Das Erdbeben richtete noch in Österreich signifikante Schäden an, auch in Deutschland war das Erdbeben noch deutlich spürbar, Schäden gab es aber keine. In Italien kamen 990 Menschen ums Leben. Im September des Jahres folgten erneut mehrere starke Erdbeben, bei denen 18 Menschen ums Leben kamen. In Italien wurden 85.000 Menschen obdachlos.

 

Das Erdbeben von Avezzano 1915
Im Jahr 1915 wurde Mittelitalien von einem schweren Erdbeben der Stärke 7.0 erschüttert. Die Stadt Avezzano wurde fast vollständig zerstört. Über 30.000 Menschen kamen ums Leben.

 

Zerstörungen in Messina 1908

Erdbeben von Messina 1908
Das Erdbeben von Messina am 28. Dezember 1908 gilt als das tödlichste Erdbeben in der Geschichte Europas. Es ereignete sich am Frühen Morgen und erreichte eine Stärke von 7,2. Die Städte Messina und Reggio wurden bereits durch das Erdbeben schwer getroffen. Der nachfolgende Tsunami mit einer Höhe von bis zu 12 Metern, vermutlich durch einen submarinen Erdrutsch ausgelöst, verschlimmerte die Verwüstungen. Eine Opferzahl konnte nie genau ermittelt werden. Sie wird heute auf 70.000 bis 120.000 geschätzt.

 

Erdbeben in Kalabrien 1783
Eine Serie schwerer Erdbeben hat im Februar und März 1783 die Italienische Region Kalabrien erschüttert. Das erste Erdbeben am 5. Februar forderte 25.000 Todesopfer und zerstörte über 180 Dörfer. In der Nacht zum 6. Februar traf ein Erdbeben der Stärke 6,2 die Straße von Messina, bei dem 1500 Menschen durch einen Tsunami ums Leben kamen. Am 7. Februar und 1. März folgten zwei weitere Starke Erdbeben mit jeweils tausenden Toten. Am 28. März traf erneut ein Erdbeben der Stärke 7,0 Kalabrien, bei dem über 1000 Menschen ums Leben kamen. Insgesamt wird die Opferzahl dieser Erdbebenserie auf 30.000 bis 50.000 geschätzt.

 

Erdbeben in Mittelitalien 1703
Im Januar und Februar haben mehrere schwere Erdbeben Mittelitalien erschüttert. Betroffen waren die Städte Norcia, Amatrice und Accumoli und L´Aquila, Orte, die in diesem Jahr ebenfalls von einer Serie schwerer Erdbeben betroffen waren. Begonnen hat die Erdbebenserie am 14. Januar mit einem Erdbeben der Stärke 6,7 in Norcia, bei dem etwa 6.500 Menschen starben. Zwei Tage später traf es Accumoli und Amatrice mit einer Stärke von 6,2. Ähnlich wie in diesem Jahr könnte das Erdbeben zuvor als Lebensretter gedient haben. Am 2. Februar traf ein Erdeben der Stärke 6,7 L´Aquila. Dort kamen 2.500-5.000 Menschen ums Leben.

 

Erdbeben von Catania 1693
Dieses Erdbeben gilt als das stärkste Erdbeben in der Geschichte Italiens. Betroffen war die Stadt Catania, in der zwei Drittel der Bevölkerung ums Leben kamen. Das Erdbeben der Stärke 7,4 löste einen Tsunami aus, der zusammen mit dem Erdbeben etwa 70 Städte zerstört hat. Vermutlich war auch hier ein Erdrutsch Hauptursache des Tsunamis. Man schätzt die Opferzahl auf 60.000.

Die Schäden nach dem Erdbeben von 1349 sind Heute noch Sichtbar

Erdbeben in den Abruzzen 1349
Dieses Erdbeben, geschätzt auf Stärke 6.6 traf unter anderem die Stadt L´Aquila und forderte rund 2000 Todesopfer. Schäden gab es auch in Rom und Neapel. Das Erdbeben führte zum Einsturz der Südseite des Kolosseums.

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Lukas Rentz