Rosettas eisige Entdeckung auf Komet

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Ende September berichteten wir von dem Ende der Rosetta-Mission. Aber das war erst der Anfang für die zahlreichen Datenanalysen, die noch folgen werden. Über eine sehr interessante Entdeckungen möchten wir heute berichten: Trockeneis auf dem Kometen „Chury“.

Am 30. September diesen Jahres landete der Rosetta-Orbiter auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko und beendete damit die mehrjährige Rosetta-Mission.

Sie begleitete den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko auf seinem Weg um die Sonne mehr als zwei Jahre lang und untersuchte ihn mit elf wissenschaftlichen Experimenten sowie mit dem Lander Philae, der 2014 als erster von Menschen gebauter Apparat auf einem Kometen landete.

Eine der Entdeckungen, die die Rosetta-Mission hervorbringt und an der auch zehn Wissenschaftler des DLR beteiligt waren, wurde nun in dem Magazin „Science“ veröffentlicht.

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Das Gebiet, in dem das Kohlendioxid-Eis entdeckt wurde. Quelle: ESA/Rosetta/NAVCAM

Mithilfe von Daten des Spektrometers VIRTIS (Visible and Infrared Imaging Spectrometer) konnte in bestimmten Oberflächenbereichen des Kometen kurzzeitig erscheinendes Trockeneis (Kohlendioxid-Eis) entdeckt werden.

Erstmals konnte CO2-Eis anhand von eindeutigen spektralen Eigenschaften innerhalb eines größeren Fleckens von etwa 80 mal 60 Meter im Gebiet Anhur auf der Oberfläche eines Kometen nachgewiesen werden“, so Gabriele Arnold, Planetenforscherin beim DLR und Koordinatorin der VIRTIS Arbeiten in Deutschland.

Die Beobachtungen konnten an zwei aufeinander folgenden Tagen Ende März 2015 gemacht werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Komet nahe an der Sonne und daher auch sehr aktiv. Die südliche Hemisphäre des Kometen wurde beleuchtet, die zur Anfangsphase der Mission noch im Dunkeln lag. Die Daten zeigen, dass der beobachtete Fleck eine Mischung ist, die wenige Prozente Trockeneis aufweist und sonst aus dunklem organischen Krustenmaterial besteht, das nicht flüchtig ist, also nicht von der Oberfläche entweicht.

„Obwohl dieses Trockeneis eine häufige Komponente des Kometeninneren ist, wurde es bisher nicht auf einer Kometenoberfläche gefunden“, sagt Arnold. „Verantwortlich hierfür ist seine geringe Verdampfungstemperatur, die deutlich unter der des Wassereises liegt und dazu führt, dass es nach seinem Aufschluss unmittelbar sublimiert, also verdampft“.

Wurde nach drei Wochen das gleiche Gebiet nochmals untersucht, so fand man also heraus, dass das Trockeneis vollständig verschwunden war.

Modellrechnungen zu Folge muss der entdeckte Bereich des Flecks bei einer Trockeneis-Schicht von neun Zentimetern 57 Kilogramm Kohlendioxid enthalten haben. Die Kamera OSIRIS (Optical, Spectroscopic, and Infrared Remote Imaging System) an Bord von Rosetta beobachtete nach dem Verschwinden des Trockeneises dort zwei große Flecken mit Wassereis, wo zuvor das Kohlendioxid verdampft war. Dieses Wassereis stammt wahrscheinlich aus Schichten, die unterhalb des Trockeneises gelagert waren.

Gabriele Arnold sagt, es wäre möglich, dass dieses Vorkommen aus dem letzten Periheldurchgang des Kometen im Jahre 2009 stamme. Mit wachsender Entfernung zur Sonne und Anbrechen der dunklen Jahreszeit auf der südlichen Hemisphäre, so Arnold, lagerte sich vermutlich das zuvor verdampfte Trockeneis ab und wurde eingefroren. Somit kann ein saisonaler Zyklus für das Kohlendioxid von etwa 6,5 Jahren (Umlaufperiode des Kometen) angenommen werden und ein tageszeitlicher Zyklus für das oberflächige Wassereis.

Das DLR berichtet, dass während der Rosetta-Mission insgesamt etwa 220 GB wissenschaftliche Daten gesammelt wurden. Die Analyse und Auswertungen sind in vollem Gange, um mehr Erkenntnisse über Kometen und deren Rolle im frühen Sonnensystem zu erhalten.

Wir werden Euch natürlich bei neuen Erkenntnissen weiterhin informieren und auf dem Laufenden halten was die Rosetta-Mission betrifft.

 

Quelle: Pressemitteilung des DLR http://www.dlr.de/dlr/presse/desktopdefault.aspx/tabid-10172/213_read-20134/#/gallery/25074

 

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Shari van Treeck

Shari van Treeck, 29, hat BSc Geophysik und Meteorologie und MSc Physik der Erde und Atmosphäre mit dem Schwerpunkt Weltraumgeophysik an der Universität zu Köln studiert. Seit 2015 ist sie Doktorandin im Sonderforschungsbereich Transregio 32 an der Universität Bonn in der angewandten Geophysik.