Forschungsfahrt zu Unterwasservulkanen

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Es ist eine der aktivsten Eruptionszonen der Welt: der Kermadec-Bogen im Pazifik. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern unter Leitung von Prof. Dr. Andrea Koschinsky, Professorin für Geochemie an der Jacobs University, wird nun in diesem Gebiet die geochemischen und ökologischen Auswirkungen von Unterwasservulkanen untersuchen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt, an dem acht Partner beteiligt sind, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit ca. 820.000 Euro finanziert.

Der Kermadec-Bogen, gelegen nördlich von Neuseeland, ist ein Unterwassergebirge mit Dutzenden von Vulkanen am Meeresboden. Die heißen unterirdischen Quellen nähren unterschiedliche Lebensformen, hunderte von Metern unter der Wasseroberfläche entstehen Erze mit Kupfer, Zink, Blei, Silber und Gold. „Wir wollen das komplexe Gesamtsystem und die Interaktionen zwischen Unterwasserlebenswelten, heißen Quellen und Mineralien verstehen lernen“, erläutert Andrea Koschinsky das zentrale Ziel des Vorhabens.

Untersucht wird etwa auch die Bedeutung von Metallen und Spurenelementen, die als Rauchwolken von den heißen Quellen am Boden aufsteigen, für Stoffwechselprozesse im Meer. Noch vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass die von den heißen Quellen aus dem unterirdischen Gestein herausgewaschenen Spurenmetalle zum größten Teil auf den Boden absinken. Heute weiß man, dass zum Beispiel das lebenswichtige Element Eisen aus den hydrothermalen Quellen über lange Strecken bis in oberflächennahes Wasser transportiert werden kann und vermutlich einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Plankton leistet.

Kurz vor Weihnachten werden die Wissenschaftler in Neukaledonien an Bord des Forschungsschiffes „Sonne“ gehen. Es ist unter anderem ausgerüstet mit dem unbemannten Tiefseeroboter „Quest“ vom MARUM (Universität Bremen), der an Vulkanen in verschiedenen Wassertiefen zwischen 200 und 1600 Metern eingesetzt wird. „Wir wollen ausloten, was die Tiefe für einen Einfluss auf die heißen Lösungen hat“, sagt Professor Koschinsky. Auch Proben von Erzen, Gesteinen und Organismen wird der Tiefseeroboter an Bord bringen. Um Veränderungen in der Wasserzusammensetzung untersuchen zu können, ist die senkrechte Beprobung von Wassersäulen geplant. Ein Wasserschöpfer wird Proben von kurz über dem Meeresboden bis hin zur Wasseroberfläche nehmen.

An dem Forschungsprojekt sind neben der Jacobs University fünf weitere deutsche Partner beteiligt. Dazu zählen die Universität Bremen mit dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM), das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie Bremen, sowie die Universitäten Oldenburg, Hamburg und Münster. Hinzu kommen zwei neuseeländische Wissenschaftlergruppen. Die Forschungsfahrt endet am 21. Januar in Neuseeland. Ihr schließt sich eine mehrjährige Auswertungsphase an.

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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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