TU Gießen: In Teilen der Antarktis steigt die Seeeisbedeckung

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Wie entwickelt sich die Seeeisbedeckung an den Polen unseres Planeten? Durch die Klimaerwärmung wäre zu erwarten, dass sie kontinuierlich abnimmt. Eine Studie der TU Gießen zeigt jedoch, dass in Teilen der Antarktis von 1979 bis 2013 sogar ein gegenteiliger Trend zu verzeichnen war.

Ein erster, deutlich sichtbarer Effekt des Klimawandels ist die Abnahme der Seeeisbedeckung (also der Fläche des Meeres, die zu mindestens 15% mit Eis bedeckt sind) um den Nordpol. Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass die Atmosphäre über den Polen flacher ist als am Äquator, weil sie an den Polen nicht von der Zentrifugalkraft gedehnt wird. Das führt dazu, dass sich die Pole schneller erwärmen als der Rest der Erde, weil die durch den Strahlungsantrieb aufgenommene, zusätzliche Wärmeenergie sich auf weniger Volumen verteilen muss und so die Konsequenzen des Klimawandels schneller sichtbar werden.

Man würde also erwarten, dass die Seeeisbedeckung nicht nur am Nordpol, sondern auch am Südpol, also in der Antarktis, stetig abnimmt. In der Antarktis hat sich aber die gesamte Seeeisbedeckung von 1979 bis 2013 nicht stärker verändert, als durch natürliche Schwankungen zu erwarten wäre. In einem Teilgebiet der Antarktis, der sogenannten Ross Sea, ist sie sogar so stark angestiegen, dass dies nicht durch natürliche Schwankungen erklärt werden kann, wie eine neue Studie der TU Gießen zeigt.

Woran könnte das liegen? Zuerst ist es wichtig zu erwähnen, dass die Antarktis durch die Thermohaline Zirkulation, die größte Meeresströmung auf unserem Planeten, ständig von kaltem Wasser umspült wird, während die Arktis in einer Verlängerung des Golfstroms ständig mit warmem Wasser versorgt wird. Erwärmt sich nun das Wasser überall gleichmäßig, ist es ganz natürlich, dass Seeeis zuerst dort schmilzt, wo das Wasser sowieso schon etwas wärmer war.

Das erklärt allerdings nicht, warum die Seeeisbedeckung im Ross Sea wächst. Die Gießener Forscher vermuten, dass das Ozonloch dazu beigetragen haben könnte, dass sich öfter stärkere Tiefdruckgebiete über dem Amundsen Sea bildeten, wodurch öfter südwärts gerichtete Winde über den Ross Sea wehten, was dann dazu führte, dass sich dort mehr Seeeis bilden konnte, während die Seeeismenge über dem Amundsen Sea leicht abnahm.

Aktuell, das heißt seit 5. November 2016 bis heute, erreicht die Seeeisbedeckung in der Antarktis täglich neue Rekordtiefs, was darauf hinweisen könnte, dass der von Klimamodellen projizierte Abbau des Antarktis-Seeeises nun begonnen hat. Die weitere Entwicklung der Seeeisbedeckung kann man unter diesem Link verfolgen: http://nsidc.org/arcticseaicenews/charctic-interactive-sea-ice-graph/

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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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