Heute vor 25 Jahren – Starkes Erdbeben am Niederrhein

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„Ein Erdbeben hat heute früh Millionen von Menschen in weiten Teilen Westdeutschlands und den Benelux-Staaten in Angst und Schrecken versetzt. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt. In Bonn starb eine Rentnerin vermutlich wegen eines Schocks an Herzversagen. In Deutschland gab es vor allem in der Stadt Heinsberg bei Aachen schwere Schäden. Auch in Köln war das Erdbeben spürbar, von einer Spitze des Domes stürzte eine eineinhalb meter große und 400 Kilogramm schwere Kreuzblume aus Stein herab und durchschlug das Dach des Kirchenschiffes. Unmittelbar nach dem Erdbeben aus Sicherheitsgründen abgeschaltet wurde der Block A des Kernkraftwerks Biblis. Nach Vorläufiger Bewertung hat Biblis das Erdbeben aber unbeschadet überstanden.“

(nach Tagesschau vom 13.04.1992)

Keine düstere Zukunftsvision oder ein RTL-Spielfilm sondern 25 Jahre alte Realität. Heute vor 25 Jahren am 13. April 1992 wurde Nordrhein-Westfalen vom stärksten Erdbeben seit 1756 erschüttert. Für die Niederlande war es sogar das stärkste Erdbeben der überlieferten Geschichte. Allein in Deutschland kam es zu Schäden an rund 7000 Gebäuden. In den Niederlanden entstand ein Sachschaden von 170 Millionen Gulden und in Deutschland ein Schaden von etwa 150 Millionen Deutscher Mark, insgesamt also etwa 155 Millionen Euro. Es war somit auch das Erdbeben mit dem bisher größten wirtschaftlichen Verlust in den Niederlanden. In Deutschland richtete das „Dritte Albstädter Erdbeben“ im Jahr 1978 größere Schäden an.

Ein solches Erdbeben kann sich jederzeit wiederholen

Auch wenn das Erdbeben mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala, auf der heute verwendeten Momenten-Magnituden-Skala erreichte es Stärke 5,4, das stärkste Erdbeben in Nordrhein-Westfalen seit 1756 und ähnlich stark wie das Erdbeben von Euskirchen 1951 war, sind solche Erdbeben deutschlandweit jederzeit möglich. Durch den westen Nordrhein-Westfalens ziehen sich mehrere Verwefungslinien, die Teil der Rheinischen Erdbebenzone ist, die sich von Basel bis in die Niederlande zieht. Als bisher stärkstes Erdbeben gilt das Erdbeben von Düren im Jahr 1756, dass eine Stärke von 6,4 erreichte, allerdings gibt es Vermutungen, wonach es möglicherweise vor nur 2500 Jahren ein Erdbeben der Stärke 7 an der Rurrand-Störung ebenfalls bei Düren gegeben hat.

 

Schäden nach dem Erdbeben in Bonn

Hätte das Erdbeben am Tag stattgefunden, wären die Folgen dramatischer gewesen

Nicht nur in der Nähe des Epizentrums, sondern auch in Bonn waren die Schäden groß. Verbreitet zerbrachen Fenster, Wände und Schornsteine stürzten ein und fielen auf Straßen und Gehwege. Hätte sich das Erdbeben nicht Nachts um 3:20 Uhr sondern nur wenige Stunden später ereignet, wären tausende Menschen auf den Straßen gewesen. Zwar wurden über 40 Menschen verletzt, meist aber nur durch Panikreaktionen. Einige Menschen wurden in ihren Wohnungen auch von Trümmern oder Glas getroffen. Insgesamt wurden bei dem Erdbeben rund 7200 Gebäude beschädigt, einige davon so schwer, dass sie abgerissen werden mussten.

 

 Die Karte des USGS zeigt die Intensitätsverteilung des Erdbebens von 1992. In Köln und Bonn erreichte das Erdbeben Intensität V-VI am Epizentrum sogar VII.

Auch schwächere Erdbeben können eine Gefahr darstellen

Oft kann man sich unter der Stärke auf der Richter-/ Moment-Magnituden-Skala nur wenig vorstellen. Im Vergleich zu anderen Ländern, beispielsweise Japan, erscheinen Erdbeben in Deutschland fast mickrig. Dabei ist ein Erdbeben der Stärke 4 in Deutschland manchmal stärker als eines der Stärke 7 in Japan. Die Ursache liegt daran, dass Erdbeben in Japan meist tiefer und vor der Küste sind. Erdbeben an Land in Japan haben Tiefen von 50 bis 100 Kilometern, während in Deutschland die meisten Erdbeben Tiefen von nur 5 bis 15 Kilometern haben. Ausnahmen gibt es in beiden Ländern. Um Vergleichbarkeit zu schaffen, gibt es eine große Anzahl von Skalen, die die spürbare Stärke eines Erdbebens beschreiben. Die meist genutzte Skala ist die Mercalliskala oder eine ihrer ähnlichen Sonderformen. Erste Schäden sind bei Intensität V möglich, was in Deutschland einem Erdbeben von 3,5 bis 4,5 entspricht. In Japan wird je nach Tiefe diese Intensität normalerweise erst bei Stärke 5,5 bis 7 erreicht. So ist es auch nicht verwunderlich weshalb bereits vermeintlich leichte Erdbeben signifikante Auswirkungen haben können.

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Lukas Rentz