Flechten aus dem Bernsteinwald – Forscher entdecken 152 neue Arten

Veröffentlicht von
Share Button

Ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Helsinki hat 152 neue fossile Flechten in Bernsteinen entdeckt und analysiert. Die Fossilien sind zwischen 24 und 47 Millionen Jahre alt und stammen von zwei bedeutenden europäischen Bernsteinlagerstätten: aus dem Baltikum und aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Bisher existierten lediglich 15 fossile Belege von Flechten. Mit dem Fund hat sich die Zahl der bekannten Flechtenfossilien also mehr als verzehnfacht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Plants erschienen.

 

Strauchflechte aus Baltischem Bernstein
(Foto: Alexander Schmidt, Universität Göttingen, und Nature Plants)
Blattflechte aus Baltischem Bernstein.
(Foto: Alexander Schmidt, Universität Göttingen, und Nature Plants)

Ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Helsinki hat 152 neue fossile Flechten in Bernsteinen entdeckt und analysiert. Die Fossilien sind zwischen 24 und 47 Millionen Jahre alt und stammen von zwei bedeutenden europäischen Bernsteinlagerstätten: aus dem Baltikum und aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.

 

Bisher existierten lediglich 15 fossile Belege von Flechten. Mit dem Fund hat sich die Zahl der bekannten Flechtenfossilien also mehr als verzehnfacht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Plants erschienen.

„Die Fossilien gehören diversen heute noch existierenden Familien und Gattungen der Flechten an“, so Dr. Ulla Kaasalainen, die als Humboldt-Stipendiatin die Fossilien an der Abteilung Geobiologie der Universität Göttingen untersucht hat. „Sie zeigen zahlreiche Strukturen, welche die Wasseraufnahme unterstützen, den Gasaustausch und somit die Photosynthese fördern und es zudem ermöglichen, dass sich Pilz und Algen gemeinsam verbreiten können.“ Flechten sind Symbiosen aus Pilzen und Algen oder Blaualgen. Heute sind etwa 20.000 Pilzarten bekannt, die komplexe Strukturen bilden, in denen mikroskopische Algen in einer geschützten Umgebung wachsen. Der Pilz profitiert von organischen Substanzen, die die Algen während der Photosynthese produzieren. Heute sind Flechten bedeutsame Komponenten vieler Ökosysteme und dienen zudem als Umweltindikatoren.

„Die speziellen bei den Fossilien vorhandenen Anpassungen helfen, das komplexe Gleichgewicht von Wasseraufnahme, Photosynthese und Atmung der rindenbewohnenden Flechten aufrechtzuerhalten“, so Prof. Dr. Alexander Schmidt, Paläontologe am Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen. „Die ökologischen Anpassungen der Fossilien unterstützen zudem die Vermutung, dass die Baltischen und Bitterfelder Bernsteinwälder nicht in einem tropischen, sondern in einem gemäßigten Klima wuchsen.“ Die aktuelle Studie wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jouko Rikkinen aus Helsinki durchgeführt.

 

Veröffentlichung:

Ulla Kaasalainen, Alexander R. Schmidt und Jouko Rikkinen (2017): Diversity and ecological adaptations in Palaeogene lichens. Nature Plants 3, 17049. DOI: http://dx.doi.org/10.1038/nplants.2017.49.

 

Quelle: off. PM der Uni Göttingen

Ähnliche Beiträge
Sie ist mit einem Alter von rund 100 Millionen Jahren eine der ältesten Zeckenarten der
In 100 Millionen Jahre altem Bernstein aus Burma fand der Forscher George Poinar vom Department
Lange Zeit galt die Lehrmeinung, dass der Indische Subkontinent nach dem Zerfall Gondwanas isoliert durch
Paläontologen haben in kreidezeitlichem Bernstein aus Myanmar einen wahren Glücksfund gemacht. Eingeschlossen zwischen Insekten und
Nicht immer muss „alt“ gleichzeitig „primitiv“ bedeuten: In 54 Millionen Jahre altem Bernstein entdeckten Paläontologen
The following two tabs change content below.

Pia Gaupels

Pia Gaupels, 30, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. Sie hat die Facebook-Seite GeoHorizon gegründet. Zudem hat sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung.