Campi Flegrei: Vulkanausbruch bei Neapel wahrscheinlicher

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Mit zahlreichen Kratern, Schlackenkegeln und Calderen zeigt sich das Vulkangebiet am Westrand der italienischen Millionenstadt Neapel. Wer am Bahnhof Pozzuoli aussteigt, dem steigt bei richtiger Windrichtung direkt ein beißender Schwefelgeruch in die Nase. Campi Flegrei – die brennenden Felder – gelten als gefährlichster Vulkan Europas, an dem selbst eine kleine Eruption immense Auswirkungen haben kann. Eine neue Studie zeigt, dass durch jüngste Aktivitäten die Wahrscheinlichkeit einer solchen Katastrophe deutlich angestiegen ist.

Neapel. Wann kommt es zur Katastrophe? Eine Frage, die Forscher, Behörden und natürlich die Bewohner vulkanisch aktiver Gebiete immer beschäftigt. Eine langfristige Vorhersage war bislang nicht möglich. Eine neue Studie des Vesuv-Observatoriums und des University College London (UCL), die im Magazin Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt am Beispiel des Vulkans Campi Flegrei, dass langfristige Aktivitäten die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs erhöhen. Durch Bodenverformungen und Mikroerdbeben infolge der Magmabewegungen kommt es demnach zum Spannungsaufbau im Gestein oberhalb der Magmakammer. Solange, bis ein kritischer Punkt erreicht ist und das Gestein dem Druck von unten nachgibt.

Bislang ging man davon aus, dass die Wirkung dieser Prozesse, die an vielen Vulkanen episodisch auftreten, nach Beendigung abflaut. Beobachtungen an anderen Vulkanen, die über Jahrhunderte geschlafen haben, widerlegten diese Ansicht. Am Beispiel des Vulkans Rabaul in Papua-Neuguinea war zu sehen, dass sich vor der großen Eruption im Jahr 1994 über einen langen Zeitraum der Boden verformt hat. Vor der Eruption sei dadurch die Spannung im Gestein so hoch gewesen, dass ein kritischer Punkt erreicht worden ist. Ähnliches sei auch an den Vulkanen Soufriere Hills auf der Karibikinsel Montserrat und auf der Kanareninsel El Hierro beobachtet worden.

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Auch die Eruptionen an Campi Flegrei könnten einem ähnlichen Schema folgen.
Die Caldera des Vulkans, die bei einer gigantischen Eruption vor über 30.000 Jahren entstanden ist, erstreckt sich am westlichen Golf von Neapel über eine Fläche von etwa 70 km². Vororte von Neapel sowie die Hafenstadt Pozzuoli mit über 100.000 Einwohnern befinden sich dort. Das jüngste Eruptionszentrum, der 133 Meter hohe Monte Nuovo, entstand im Jahr 1538 und ist heute vom Stadtteil Arco Felice umschlossen.
Lebhafte Aktivitäten sind heute noch im Krater Solfatara (Foto oben) zu beobachten, der direkt im Zentrum von Pozzuoli liegt. Hier steigen 200° heiße Schwefeldämpfe auf. Kochendes Wasser brodelt in Schlammtümpeln.

Ehemaliger Poller am Hafen von Pozzuoli

Seit den 50er Jahren verzeichneten die Behörden episodisch auftretende Aktivitätsphasen, die mit Erdbebenschwärmen und starken Bodenhebungen einhergingen. Zweimal musste in den 70ern und 80ern deshalb Pozzuoli evakuiert werden. Das frühere Hafenbecken der Stadt ist heute, nach Bodenhebungen um mehrere Meter, ein Parkplatz.
Prozesse, wie sie schon zu Zeiten römischer Besiedlung beobachtet wurden. Ebenso in den Jahrzehnten vor der letzten Eruption. Die jüngsten Aktivitätsphasen könnten also ebenso auf eine Eruption in naher Zukunft hindeuten. Wann es so weit sein wird, hängt von der Spannung im Gestein und dem „kritischen Punkt“ ab. Sobald dieser erreicht ist, könne das Gestein aufbrechen.

In Zukunft sollen weitere Arbeiten getan werden, um den genauen Spannungszustand des Gesteins zu ermitteln, und so eine frühzeitigere und präzisere Prognose zukünftiger Ausbrüche tätigen zu können. Doch auch ohne Ausbruch sei die Situation für Pozzuoli bedrohlich. Weitere Phasen der Bodenhebungen und einhergehender Erdbeben könnten jederzeit einsetzen und Bauwerke bedrohen.
Seit Dezember 2012 steht Campi Flegrei auf Alarmstufe Gelb, weshalb jede Aktivität des Vulkans genau überwacht wird.

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Fotos: Copyright Jens Skapski, März 2016
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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.