Ausflugtipps: Hesselberg (Bayern)

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Wir beleben hier mal unsere Ausflugtipp-Serie wieder. In dieser Serie möchten wir euch besondere Orte vorstellen, an denen ihr die Geologie Deutschlands und des Alpenraums zum Anfassen erleben könnt. Orte, an denen auch Laien viel über die Vergangenheit der jeweiligen Region erfahren können.

Teil 5: Hesselberg (Bayern)

Knapp ein Jahr ist es her als der letzte Beitrag unserer klassischen Ausflugtipp-Serie gepostet wurde. Zeit, diese Serie wieder aufleben lassen, wenn es gerade auch nicht mehr ganz so warm draußen ist. Diesmal soll es um den bayerischen Hesselberg  und den dazugehörenden geologischen Lehrpfad gehen, der einen nahezu vollständigen Blick in die Gesteine des fränkischen Jura erlaubt.

Lage und Anfahrt

Der Hesselberg befindet sich im bayerischen Landkreis Ansbach, nicht unweit der Grenze zu Baden-Württemberg, einige Kilometer nördlich des berühmten Meteoritenkraters Nördlinger Ries. Die nächst größeren Ortschaften sind Dinkelsbühl und Wassertrüdingen. Befindet man sich in der Gegend, lässt sich der Hesselberg kaum übersehen, hebt er sich doch mit seinen etwa 689 m ü. NN und dem markanten Sendemast deutlich vor dem Lias-Vorland ab.

Erreicht werden kann der Hesselberg aus westlicher Richtung über die A7. Entweder über die Ausfahrt Feuchtwangen-West nach Feuchtwangen und von dort über die B25 nach Dinkelsbühl oder direkt über die Ausfahrt Dinkelsbühl/Fichtenau nach Dinkelsbühl und von dort aus auf die Staatsstraße 2218 Richtung Wassertrüdingen. Von Norden über die A6, Ausfahrt Herrieden über die Staatstraße 2248 Richtung Wassertrüdingen. Aus östlicher und südlicher Richtung am besten über die B466 und von dort wiederum nach Wassertrüdingen.

Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Dinkelsbühl und Gunzenhausen. Von dort aus muss auf die Busse Richtung Gerolfingen bzw. Wittelshofen zurückgegriffen werden.

Die Geologie des Hesselbergs

Beim Hesselberg handelt es sich um einen sogenannten Zeugenberg. Das bedeutet er ist nicht wie z.B. die Alpen durch eine Gebirgsauffaltung entstanden, sondern dadurch, dass im Laufe der Erdgeschichte die Schichten um ihn herum immer weiter wegerodiert wurden. Seine Entstehung hat er dabei seiner Lage in einer ehemaligen „tektonischen Mulde“ zu verdanken, was die Gesteine im Gebiet des heutigen Hesselbergs besser vor Erosion und Verwitterung geschützt hat, als die Gesteine im Umland. Das Phänomen, dass sich die Gesteine der ehemalgen Mulde heute als Hesselberg über das abgetragene Liasvorland erheben, bezeichnet man auch als Reliefumkehr.

Rein petrographisch gesehen wäre der Hesselberg  hierbei eigentlich ein Teil der ca. 10 km von ihm entfernten Frankenalb, immerhin bestehen beide aus den gleichen Sedimenten, die während des Juras im damaligen Urmeer Tethys abgelagert wurden.

Zum geologischen Lehrpfad

Der geologische Lehrpfad beginnt nordöstlich von Wittelshofen nicht unweit des Schafhofs. Es bestehen einige Parkmöglichkeiten in Wittelshofen, ansonsten kann die Strecke bis zur ersten Station ebenfalls mit dem Auto zurückgelegt werden. Ab dort ist eine Weiterfahrt mit Kraftfahrzeugen nicht mehr erlaubt und ab einem gewissen Punkt ohnehin nicht mehr möglich. Alternativ besteht auch die Möglichkeit über Gerolfingen direkt zur Spitze des Hesselbergs zu fahren, wo sich auch ein Kiosk und die oberste Station des Lehrpfads befinden. Da der geologische Lehrpfad teilweise über stark ansteigende, unbefestigte Waldwege führt, sei körperlich beeinträchtigten Besuchern geraten, den Weg über Gerolfingen zu nehmen. Der Lehrpfad hat eine Länge von knapp 3 km, je nach Aufenthalt an den Stationen sollten bis zu zwei Stunden eingeplant werden, der Rückweg nicht mit einberechnet.

Bitte beachtet, dass der gesamte Hesselberg ein Landschaftsschutzgebiet ist. Das bedeutet, Fahrräder und Kraftfahrzeuge dürfen die ausgewiesenen Wege nicht verlassen. Des Weiteren ist die Entnahme von Pflanzen verboten und Müll ist in den bereitgestellten Abfalleimern zu entsorgen. Auch sei hier von geologischer Seite aus darauf hingewiesen, dass man auch die nicht eingezäunten Geotope nicht mehr beeinträchtigen sollte als unbedingt nötig.

Station 1: Lias

Wir beginnen mit unserer Tour in Wittelshofen. Der geologische Lehrpfad ist am nordöstlichen Ortsausgang groß ausgeschildert. Im weiteren Verlauf nach oben werden sich weitere Wegweiser finden, an einigen Weggabelungen fehlen diese aber. Da sich die letzte Station des Lehrpfads direkt unterhalb des großen Sendemasts befindet, empfiehlt es sich diesen im Zweifelsfall als groben Orientierungspunkt zu verwenden.

Die erste Station des geologischen Lehrpfads. Der Liasbruch NE von Wittelshofen.

Wir folgen dem Lehrpfad einige hundert Meter bis sich rechts die erste Station zeigt, hier befindet sich auch die letzte größere Parkmöglichkeit. Die Station zeigt unterjurassische Sedimente der Schwarzjura Gruppe („Lias“). Der Aufschluss ist als Geotop ausgeschrieben und eingezäunt, ein Betreten ist nicht erlaubt. Im Liegenden schön sichtbar sind die blaugrauen Tonsteine der Posidonienschiefer Formation (Toarcium, „Lias epsilon“) wie sie auch in der berühmten Fossillagerstätte Holzmaden gefunden werden. Zwar können die anstehenden Schichten selbst nicht abgeklopft werden, doch finden sich außerhalb des Zaunes zahlreiche Lesesteine und Konkretionen, die oft Schalengrus und Reste von Ammoniten enthalten. Zum Hangenden hin folgen die Schichten der Jurensismergel (Toarcium, „Lias zeta“) und Opalinuston Formation (Aalenium, „Dogger alpha“). Letztere gehört bereits zur darauf folgenden Braunjura Gruppe („Dogger“). Im Gegensatz zum Posidonienschiefer sind die Schichten hier allerdings kaum sichtbar, lediglich die Beschilderungen zeigen die Lage der beiden Formationen an.

Station 2: Dogger

Wir folgen dem Lehrpfad weiter nach oben und gelangen über eine Streuobstwiese schließlich an ein Gatter. Hinter diesem befindet sich eine weitere Hinweistafel, die uns verrät, dass wir uns auf den flachen Hängen der Opalinuston Formation, also im mitteljurassischen „Dogger“ befinden. Wir laufen weiter bergauf bis wir an den Waldrand gelangen, der Boden wird zunehmend sandig. Der Grund dafür findet sich auf der nächsten Hinweistafel. Wir befinden uns nun in der Eisensandstein Formation (Aalenium, „Dogger beta“). Der namensgebende Eisensandstein färbt den Boden orange bis rot, einige Lesesteine enthalten auch die charakteristischen Bohnerze, die zur Eisengewinnung einst oft abgebaut wurden.

Innerhalb des Waldes steigt der Weg durch die neue Lithologie nun steil an. Neben dem Weg finden sich einige Quellläufe, da der Eisensandstein Grundwasser speichert, während der unterliegende Opalinuston hier als Grundwasserstauer fungiert. Nach einiger Zeit verflacht sich mit dem Top der Eisensandstein Formation der Trampelpfad wieder und wir sehen zur linken unsere zweite Station.

Bohnerze aus der Eisensandstein Formation.

Der Aufschluss ist wiederum als Geotop ausgeschrieben, im Gegensatz zum vorherigen Liasbruch allerdings nicht eingezäunt, wir können uns die Schichten also direkt ansehen. Im Liegenden sehen wir anstehend das Top der Eisensandstein Formation, besonders in den Lesesteinen findet sich eine hohe Anzahl an Bohnerz und Schalengrus, darunter auch gut erhaltene Muscheln und Brachiopoden.

Die zweite Station. Der Aufschluss zeigt den Übergang von der Eisensandstein zur Sengenthal Formation.

Zum Hangenden hin schließt sich die lithologisch sehr wechselhafte Sengenthal Formation (Bajocium bis Callovium, „Dogger gamma bis zeta“) an, die uns auch auf dem Weg zum Gipfel noch weiter begleiten wird. Aufgeschlossen sind hierbei über dem Eisensandstein anstehend die Kalksandsteine der Sowerbyi-Schichten (Bajocium, „Dogger gamma“) sowie am Top die Humphriesianum-Schichten (Bajocium, „Dogger delta 1“), nach den hier häufigen Austern auch Ostreenkalke genannt. Beide Fazies sind ebenfalls reich an Fossilien.

Schilllage vom Top der Eisensandstein Formation mit Muscheln und Brachiopoden

Der Weg führt einige hundert Meter weiter über das Plateau der Sengenthal Formation, wir gelangen dabei über eine Lichtung und betreten anschließend wieder den Wald. Dort steht die Infotafel zu einer weiteren Fazies der Sengenthal Formation, die Eisenoolithkalke. Es handelt sich dabei um hellgraue Kalksteine mit den charakteristischen, durch Eisen rot gefärbte, Ooiden. Die Infotafel erläutert hier die Bildung von den „normalen“ karbonatischen Ooiden, wie man sie z.B. heute auf den Bahamas findet. Die Entstehung von Eisenooiden dagegen ist tatsächlich noch nicht vollständig geklärt. Leider konnte ich von diesem Gestein hier keine Lesesteine, geschweige denn einen Aufschluss finden.

Ein kleines Stückchen weiter erreichen wir schließlich die Infotafel zur obersten Fazies der Sengenthal Formation, des Ornatentons. Nicht wirklich verwunderlich macht sich der Ornatenton hier höchstens durch die Bodenbeschaffenheit und die Topographie auf sich aufmerksam. Wir werden später nochmal auf diese Schicht kurz zurückkommen.

Station 3: Malm

Wir setzen unseren Fußmarsch fort und erreichen eine Treppe entlang des Südhangs. Ab hier beginnt nun mit der Weißjura Gruppe („Malm“) der Oberjura. Unter den Lesesteinen dominieren ab jetzt weiße bis hellgelbe Kalksteine. Eine erste Infotafel verrät uns, dass wir uns auf den Gesteinen der Dietfurt Formation (Oxfordium bis Kimmeridgium, „Malm alpha bis beta“) befinden. Die Dietfurt Formation ist eine klassische Kalk-Mergel-Wechselfolge, die im Liegenden („Malm alpha“) noch stark mergeldominiert ist, zum Top hin („Malm beta“) nehmen die Mergel dann zunehmend ab, bis zwischen den Kalkbänken schließlich nur noch dünne Mergelfugen zu erkennen sind.

Südhang des Hesselbergs mit Blick nach Westen. Andeutungsweise zu erkennen sind hier auch die durch die unterschiedlichen Gesteine bedingten Schichtstufen. Von Matthias Nonnenmacher unter CC-BY-SA 4.0

Gleichzeitig finden wir nun zum ersten Mal auf gleicher Höhe eine weitere Formation, namentlich die Massenkalke der Frankenalb Formation, die sich hier mit den Bankkalken der Dietfurt Formation verzahnen. Die Massenkalke gehen auf ehemalige Riffe und riffähnliche Strukturen zurück, die vor allem von Kieselschwämmen und verschiedenen Algen dominiert waren. Die Frankenalb Formation beginnt mitten im „Malm alpha“ und erstreckt sich mancherorts in Bayern bis in den „Malm zeta“. Auf dem Hesselberg erosionsbedingt allerdings nur bis zum Beginn des „Malm gamma“. Besonders für die Situation auf dem Hesselberg ist außerdem, dass die Massenkalke hier ungewöhnlich früh im „Malma alpha“ einsetzen. Die Gründe dafür wären zu diskutieren.

Fossilien aus der Frankenalb Formation. Von links nach rechts: Brachiopode, inocerame Muschel, Kieselschwamm

Gehen wir die Stufen hinauf, erreichen wir schließlich ein kleines Häuschen. Vor diesem aufgeschürft sind die weichen Schichten des Impressamergels (Oxfordium, „Malm alpha“). Hier lassen sich teilweise auch einige Fossilien finden. Ein Stückchen weiter erscheint eine weitere Infotafel, diesmal zu den aufliegenden Bimmamatum-Schichten (Oxfordium, „Malm alpha“), allerdings ist hierzu kein Aufschluss vorhanden.

Nach einem weiteren kurzen Fußmarsch kommen wir schließlich auf dem obersten unbewaldetem Plateau des Hesselbergs an. Mit Blick nach Osten sehen wir den Sendemast und direkt darunter unseren letzten Aufschluss. Im Süden sehen wir Gerolfingen und die flachen Hügel des Liasvorlands, im Hintergrund davon erhebt sich der Kraterrand des Nördlinger Ries. Blicken wir schließlich nach Südosten, sehen wir den Hahnenkamm, den südwestlichen Ausläufer der Frankenalb. Die Schichten der Frankenalb reichten einst bis zum Hesselberg und darüber hinaus. Wir blicken hier also auf die gleichen Schichten, die wir auch auf dem Hesselberg gesehen haben.

Wir befinden uns nun im oberen Teil der Dietfurt Formation, den sogenannten Werkkalken oder Planula-Schichten (Kimmeridgium, „Malm beta“), die wir auch im letzten Aufschluss sehen werden. Der Weg zum Sendemast führt über verschiedene kleine Dolinen, die dem Plateau eine hügelige Topographie geben. Unsere letzte Station ist anhand der meterhohen Kalksteinstrukturen schon aus der Ferne leicht zu erkennen. Auch bei diesem handelt es sich wieder um ein frei zugängliches Geotop.

Massenkalke der Frankenalb Formation an der letzten Station des Lehrpfads. Links außerhalb des Bilds schließen sich die Bankkalke der Dietfurt Formation an (Foto leicht bearbeitet).

Im Nordteil des Aufschlusses stehen noch die Bankkalke der oberen Dietfurt Formation an, diese gehen aber relativ schnell in die Massenkalke der Frankenalb Formation über, die den gesamten Aufschluss dominieren. Betrachtet man die Massenkalke aus der Nähe, lassen sich die vielen fossilen Schwämme erkennen, die das Gestein aufbauen. Neben den Kieselschwämmen sind die Kalksteine auch reich an anderen Fossilien, darunter Brachiopoden, Ammoniten, Muscheln und Seeigel. Im Top der Kalksteine folgt schließlich noch der Platynota-Mergel, der gleichzeitig den Übergang zur Arzberg Formation (Kimmeridgium, „Malm gamma“) markiert.

Sonstiges

Der geologische Lehrpfad endet hier am Sendemast. Es gibt allerdings noch einige andere Sachen, auf die man mal einen kurzen Blick werden könnte.

  • An der Südostflanke des Hesselbergs liegt die Osterwiese, wo sich ebenfalls ein größerer Aufschluss der Dietfurt Formation befindet.
  • Auf der Nordseite des Plateaus lassen sich bohnerzführende Karstfüllungen finden, die wahrscheinlich während des Paläogens entstanden sind.
  • Geht man vom Parkplatz am Kiosk die Straße nach Gerolfingen etwa 1,5 km hinab, trifft man auf Höhe der Opalinuston Formation mehrere kleinere Hügelstrukturen, die bei genauerer Betrachtung aus Kalksteinen bestehen. Es handelt sich dabei um Schuttkörper aus dem Malm. Die Kalksteine der Dietfurt und Frankenalb Formation liegen auf dem bereits oben kurz erwähntem Ornatenton. Dieses tonige Gestein begünstigt wie ein Schmiermittel Rutschungen der großen Kalkkörper. Eine ähnliche Struktur findet sich auch an der Südostflanke.

Literatur und Links

  • Geologische Karte Wassertrüdingen (Link) und Erläuterung dazu (Link)
  • Erholungsregion Hesselberg http://www.hesselberg.de/Startseite/Aktuelles
  • Schmidt-Kaler, Wanderungen in die Erdgeschichte (III), vom Fränkischen Seenland zum Hahnenkamm und Hesselberg, Verlag Friedrich-Pfeil, München 1991, ISBN: 3-923871-58-9

 

 

 

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Pascal Abel, 23, studiert Geowissenschaften im Master am GeoZentrum Nordbayern mit den Vertiefungen Paläobiologie und Sedimentologie. Interessenschwerpunkte sind Wirbeltiere, Paläoökologie und Paläoumwelt. Bloggt auch nebenbei noch auf www.erdgeschichten.wordpress.com