Als Spinnen noch Schwänze besaßen

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Chimerarachne yingi aus dem 100 Millionen Jahre alten Burmesischen Bernstein wurde in der renommierten Zeitschrift Nature Ecology and Evolution von einem Forscherteam aus China, Deutschland, der USA und England unter Beteiligung von Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde Berlin beschrieben. Chimerarachne schaut wie eine Spinne aus und zeigt einige wichtige Merkmale der Webspinnen. Überraschend ist der lange geiselartige Schwanz. Die Autoren vermuten daher, dass Chimerarachne entweder die primitivste bekannte Spinne ist oder zu einer Gruppe ausgestorbene Spinnentiere gehört, die sehr nah am Ursprung der Spinnen lag. Fest steht: es gab eine Zeit in der Spinnen Schwänze besaßen.

Webspinnen sind eine der Erfolgsgeschichte der Natur, mit mehr als 47.000 lebenden Arten. Sie haben einige Schlüsselmerkmale entwickelt: u.a.

(1) Spinnwarzen, um Seide für Netze zu produzieren oder um ihre Eier darin einzuwickeln,                              (2) ein männliches Tastorgan, mit dem die Spermien während der Paarung in das Weibchen übertragen werden, und                                                                                                                                                                                (3) Gift, um ihre Beute zu lähmen.

Chimerarachne yingi schaut auf den ersten Blick aus wie ein Vertreter der Gliederspinnen (Mesothele). Das sind die primitivsten bekannten lebenden Webspinnen. Diese besitzen immer noch einen segmentierten Hinterleib. Aufgrund der Anatomie der Gliederspinnen erwarteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Untersuchung des Objektes vier Paare Spinnwarzen zentral an der Bauchseite des Hinterleibs. Chimerarachne hat nur zwei Paare gut entwickelter Spinnwarzen am hinteren Bereich des Hinterleib, jedoch zusätzlich noch ein kleines Paar, welches möglicherweise noch im Entwickelungsprozess war. Das Tastorgan ist einfach und ähnelt eher dem einer Langkieferspinne (z.B. Vogelspinne) als einer Gliederspinne.

Nachbildung der Chimerarachne yingi (Bild: D. Yang)

Ob Chimerarachne giftig war konnte nicht erforscht werden. Bekannt ist, dass die Vorfahren der Spinnentiere wahrscheinlich einen Schwanz besaßen, ähnlich den noch lebenden Geißelskorpionen.

„Unsere vertiefende Forschung an Chimerarachne ergab, dass es eine Zeit gab, in der es in der Natur Spinnen mit Schwänzen gab“, so Wissenschaftler Jason Dunlop, „und dies will ich an alle, die sich für Natur und Spinnen begeistern kommunizieren“.

Alle Merkmale zusammen betrachtet besaß Chimerarachne einen recht einzigartigen Körperbau unter den Spinnentieren und kann wichtige Fragen zum Aufbau und Aussehen ursprünglicher Spinne beantworten, z.B. wie sich Spinnwarzen und Tastorgane entwickelt haben.

Chimerarachne gilt aber nicht als direkter Vorfahre der modernen Webspinnen. Fossilen von Spinnen sind bereits aus über 300 Millionen Jahre alten Gesteinen bekannt. Stattdessen gehört Chimerarachne einer ausgestorbenen Gruppe an, aus der die Webspinnen entstanden sind. Der Name Chimerarachne stammt von dem Mischwesen „Chimära“ aus der griechischen Mythologie und wurde ausgewählt, da die Fossilien Merkmale verschiedene Spinnentiere verbinden. Der Artname yingi ehrt Herr Yanling Ying, Sammler eines der neue Tiere.

Veröffentlichung: Wang, B., Dunlop, J. A., Selden, P. A., Garwood, R. J., Shear, W. A., Müller, P. & Lei, X. 2018. Cretaceous arachnid Chimerarachne yingi gen. et sp. nov. illuminates spider origins. Nature Ecology and Evolution. Doi http://dx.doi.org/10.1038/s41559-017-0449-3

Quelle: off. Pn des Museums für Naturkunde und Leibniz-Institut für Evolutions-
und Biodiversitätsforschung Berlin

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Pia Gaupels

Pia Gaupels, 30, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. Sie hat die Facebook-Seite GeoHorizon gegründet. Zudem hat sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung.