Fossilien unterstützen Artenschutz

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Während Studien zur Bewertung des Gefährdungsstatus von Amphibien sich meist auf lebende Arten konzentrieren, haben Melanie Tietje und Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde Berlin erstmals die aktuellen Beurteilungen der Gefährdung durch die IUCN Rote Liste für lebende Amphibienarten mit Daten aus dem Fossilienbericht von Amphibien der letzten 330 Millionen Jahre kombiniert. Ihre Studie in Ecology Letters vermittelt wichtige Erkenntnisse auf dem sich entwickelnden Gebiet der ‘Conservation Paleobiology’ und fügt ein neues Werkzeug zu den Rote Liste Beurteilungsoptionen für Arten hinzu, selbst bei ungenügender Datenlage.

Die korrekte Klassifizierung des Aussterberisikos von Arten ist ein wichtiges Instrument für den Artenschutz, bei dem Ressourcen oft begrenzt sind und möglichst effizient eingesetzt werden müssen. Leider fehlen hierfür oft wichtige Daten, z.B. über die Biologie oder Populationszahlen, und reale Aussterbeereignisse werden selten beobachtet und sind schwer zu belegen. In den letzten Jahren wurde in mehreren Publikationen vorgeschlagen, dass der Fossilienbericht einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz leisten könnte, da er über ein riesiges Archiv von Aussterbeereignissen verfügt, inklusive möglicher Faktoren, die zum Aussterben geführt haben könnten.

Bisher haben allerdings nur wenige Studien die Verbindung zwischen Paläobiologie und Artenschutz realisiert. In einer Studie, die gerade in der renommierten Fachzeitschrift Ecology Letters veröffentlicht wurde, fragten sich Melanie Tietje und Mark-Oliver Rödel: ” Können wir ein Modell erstellen, welches das Aussterberisiko mit diversen Merkmalen von ausschließlich fossilen Amphibienarten verbindet, und dieses Modell verwenden, um damit das Aussterberisiko lebender Arten zu ermitteln?“ Um diese Frage zu klären, stellten sie einen großen Datensatz ausgestorbener Arten zusammen und erstellten ein Modell, welches das Alter einer Art mit geographischen, morphologischen und ökologischen Merkmalen korreliert:

Abundanz, geografische Verbreitung, Breitengradposition der Fossilfunde (ein Hinweis auf tropischen oder gemäßigten Ursprung) und Körpergröße. Anschließend wendeten sie dieses Modell auf einen ähnlichen Datensatz für lebende Arten an, die bereits in der globalen Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN) klassifiziert wurden. Sie stellen fest, dass die prognostizierten Alter und die Gefährdungskategorien der Roten Liste der IUCN gut zusammenpassten. Arten, die als nicht bedroht eingestuft wurden, wiesen die längsten vorhergesagten Überlebenszeiten auf, während die Arten mit höheren Risikobewertungen ein zunehmend kürzeres Alter zeigten.

Die geografische Verbreitung erwies sich als der einflussreichste Faktor für das Aussterberisiko, was gut zu dem starken Einfluss dieses Faktors in den aktuellen IUCN-Bewertungen passt. Das wertvollste Ergebnis dieses Modells war, dass das neue Modell auch auf Arten angewendet werden kann, bei denen die Daten derzeit nicht für eine Bewertung durch die Rote Liste der IUCN ausreichen, die sogenannten Daten defizitärer Arten.

Die Ergebnisse zeigten, dass für diese Arten im Allgemeinen eine kurze Dauer oder, mit anderen Worten, ein hohes Aussterberisiko vorhergesagt wurde, was auf einen hohen Bedrohungsstatus und die Dringlichkeit hinweist, diese Arten näher zu untersuchen und zu schützen.

Veröffentlichung:
Tietje, M. and Rödel, M.O. (2018), Evaluating the predicted extinction risk of living amphibian species with the fossil record. Ecol Lett. doi:10.1111/ele.13080

Quelle: off. Pn des Museums für Naturkunde Berlin

Titelbildunterschrift: Vergleich rezent gefährdeter und fossil ausgestorbener Amphibienarten. (Bild: Museum für Naturkunde, Berlin)

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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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