Eine neue Gattung und Familie Gigantischer Sauropodomorphen aus der Trias

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Riesenwuchs, mit einer Körpermasse von 5-10t, ist bei triassischen Dinosauriern selten. Der von Apaldetti und Kollegen kürzlich neu beschriebene Ingentia prima gehört zu den Lessemsauridae, einem neuen Taxon sehr ursprünglicher Sauropoden, das bereits im Norium (Obertrias), lange vor der Radiation der höheren Sauropoden (Eusauropoda) im Jura, gewaltige Größen erreichte.

Die Sauropoden, als größte Landtiere der Erdgeschichte, weisen viele Auffälligkeiten in ihrer Anatomie und Histologie auf. Diese reichen von einen Luftsacksystem mit hohlen Knochen zur Atmung und Gewichtsreduktion, über extrem lange Hälse zur effizienten Nahrungsaufnahme und säulenartige Gliedmaßen mit Verlust der Fingerknochen der Hand zum Tragen ihres gewaltigen Körpergewichts. Das Wachstumsmuster der Sauropoden ist ebenfalls ungewöhnlich, da anders als be anderen Dinosauriern kaum jährliche Wachstumsringe, die durch abwechselnde Phasen schnelleren und langsameren Wachstums entstehen, erkennbar sind, was auf ein durchgehendes, rapides Wachstum hindeutet.

Apaldetti et al. beschreiben mit Ingentia prima einen neuen primitiven Sauropoden aus der Obertrias (Oberes Norium-Raetium) der Quebrada del Barro-Formation, zusammen mit drei neuen Exemplaren des nahe Verwandten Lessemsaurus sauropoides aus der etwas älteren Los Colorados-Formation (Mittleres Norium), alle aus dem Nordwesten Argentiniens.

Skelettnachbildung von Lessemsaurus sauropoides, einem der frühesten Sauropoden und größten Landtiere seiner Zeit. Bild: Katharina Surhoff @ Wikimedia, CC-BY-SA-ND 3.0

Zusammen mit Antetonitrus ingenipes aus dem Unteren Jura von Südafrika formen diese beiden Spezies nach der phylogenetischen Analyse der Autoren die Klade der Lessemsauridae, welche die basalsten Vertreter der Sauropoden, oder, je nach Definition, deren nächste Verwandte darstellt. Sie sind damit noch ursprünglicher als andere frühe Sauropoden, etwa Isanosaurus aus der Trias von Thailand, und deuten darauf hin, dass der eigentlich für Eusauropoden typische Gigantismus sowohl früher als auch bei stammesgeschichtlich primitiveren Sauropodomorpha als bislang vermutet seinen Ursprung nahm.

Beispielsweise wird eines der neu beschriebenen Exemplare von Lessemsaurus anhand seines 75cm langen Iliums (Darmbein) auf ein Lebendgewicht von 7t geschätzt, vergleichbar mit einem sehr großen Afrikanischen Elephantenbullen. Der etwa zeitgleich in Europa lebende Plateosaurus, eines der größten anderen Landtiere dieser Zeit, erreichte maximal 3-4t.

Die zugrunde liegende Wachstumsstrategie scheint sich jedoch von dem der Eusauropoda und von Isanosaurus zu unterscheiden. Wachstumslinien mit dicken Zonen von stark durchblutetem Knochenmaterial bei den Lessemsauridae deuten auf Phasen langsamen Wachstums in Abwechslung mit bis zu dreifach höhere Wachstumsraten als bei Eusauropoden hin. Die Tiere kombinierten also eine zum Teil sehr hohe Wachstumsrate, wie bei Eusauropoda, mit einem zyklischen Wachstum, wie man es bei basalen Sauropodomorpha findet.

Die Lessemsauridae zeigen (ähnlich wie manche anderen basalen Sauropodomorpha) in ihrem Skelett bereits Anzeichen eines Luftsacksystems, welches Teile der Wirbelsäule aushöhlte (sogenannte PSP, Postcraniale Skelettpneumatisation). Dieses war jedoch noch wesentlich weniger ausgebildet war als bei Eusauropoden. Den Lessemsauridae fehlten außerdem Anpassungen der Vordergliedmaßen und Schultergürtel, die bei Sauropoden die aufrechte Stellung des Oberarms und die volle Pronation der Hand (Rotation des Handrückens nach vorne) als Anpassungen an den vierbeinigen Gang erlauben. Der Hals ist bei Vertretern der Lessemsauridae im Verhältnis zum Körper außerdem noch wesentlich kürzer als bei den Eusauropoda, und die robusten Halswirbel könnten auf verhältnismäßig größere Schädel zurückzuführen sein.

Nach diesen neuen Erkenntnissen gab es also bereits in der Trias eine Radiation großer Sauropoden. Diese wiesen viele ursprüngliche Merkmale und ein einzigartiges Wachstumsmuster auf. Die Lessemsauridae überlebten zusammen mit anderen basalen Sauropodomorpha bis in den Unterjura, und wurden erst mit der Zeit durch Eusauropoden und ihre Verwandten mit ihren fortschrittlicheren Merkmalen und Wachstumsstrategien verdrängt.

Artikel:
Apaldetti, C., R. N. Martínez, I. A. Cerda, D. Pol, and O. Alcober. 2018: An early trend towards gigantism in Triassic sauropodomorph dinosaurs. Nature Ecology & Evolution.
Weiterführende Literatur:
Mallison, H. 2010: The digital Plateosaurus I: body mass, mass distribution, and posture assessed using CAD and CAE on a digitally mounted complete skeleton. Palaeontologia Electronica 13.
Sander, P. M. 1992: The Norian Plateosaurus bonebeds of central Europe and their taphonomy. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 93:255–299.
Sander, P. M., A. Christian, M. Clauss, R. Fechner, C. T. Gee, E.-M. Griebeler, H.-C. Gunga, J. Hummel, H. Mallison, and S. F. Perry. 2011: Biology of the sauropod dinosaurs: the evolution of gigantism. Biological Reviews 86:117–155.
Yates, A. M., M. J. Wedel, and M. F. Bonnan. 2012: The early evolution of postcranial skeletal pneumaticity in sauropodomorph dinosaurs. Acta Palaeontologica Polonica 57:85–100.

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Darius ist 20 Jahre alt und studiert seit 2015 an der Uni Bonn Geowissenschaften mit Schwerpunkt Paläontologie. Seine Hauptinteressen sind Paläobiologie und Paläoökologie der Wirbeltiere sowie allgemeine Zoologie, Anatomie und Biomechanik.