Die ältesten Tiere der Erde bildeten komplexe ökologische Gemeinschaften

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Ediacara Fossilien haben eine bizarre Erscheinung, die es bei keiner modernen Tiergruppe mehr gibt. Jahrzehntelang glaubten die Forscher, dass diese rätselhaften Fossilien ökologisch einfach gestrickt seien. Mithilfe einer neuen Methode der modernen Ökologie – passende Spezies zu den relativen Häufigkeitsverteilungen – lernten der Vanderbilt University – Paläontologe Simon A.F. Darroch und sein Team, dass diese Organismen den modernen Tieren ähnlicher waren, als bislang vermutet.

Die Analysen zeigten, dass ein Großteil der Fossilienfunde die Merkmale eines ökologisch komplexen Ökosystems tragen und dass die Ediacara-Biota vor der kambrischen Explosion mehrere Millionen Jahre lang komplexe Gemeinschaften bildeten. Die Kreaturen lebten teilweise unter Wasser, was einst Meeresboden war, einige von ihnen waren Suspensionsfresser, andere ernährten sich durch Filterung, wieder andere absorbierten passiv Nahrung. Einige waren sogar mobil.

Komplexe Gemeinschaften sind solche, die Arten umfassen, die um zahlreiche verschiedene Ressourcen oder Arten konkurrieren, die Nischen für andere schaffen (wie in vielen modernen Ökosystemen). Das Team fand heraus, dass die Signatur komplexer Gemeinschaften sich bis zu den ältesten Fossilien von Ediacara erstreckt. Mit anderen Worten: Sobald sich das makroskopische Leben entwickelte, begann es verschiedene ökologische Gemeinschaften zu bilden, die denen heute nicht unähnlich sind.

Das Hauptziel unserer Arbeit war das Testen von einfachen und komplexen Modellen für Ediacara-Ökosysteme”, sagte Darroch, Assistentsprofessor in Vanderbilt’s Abteilung für Erd- und Umweltwissenschaften.

“Die Unterstützung eines einfachen Modells würde nahelegen, dass diese mysteriösen Organismen universell primitiv waren, die gleiche Grundökologie teilten und alle um dieselben Ressourcen konkurrietren”, sagte er. “Die Unterstützung für das komplexe Modell würde stattdessen vorschlagen, dass sie wahrscheinlich für eine Vielzahl unterschiedlicher Ressourcen konkurrierten, genau wie moderne Tiere. Unsere Analysen unterstützen das komplexe Modell und zeigen, dass – obwohl sie bizarr aussehen mögen – diese mysteriösen Fossilien weit mehr mit modernen Tieren gemeinsam haben, als wir bislang dachten. “

Das Team sammelte zuerst alle Ediacara-Fossildaten aus der veröffentlichten Quellen und fügte dann einen Datensatz hinzu, der während der Feldarbeit in Südnamibia gesammelt wurde. Diese namibischen Fossilien gehören zu den jüngsten Exemplaren der Welt und dokumentieren Gemeinschaften, die unmittelbar vor dem Beginn der kambrischen Explosion lebten.

Die Fossilien bildeten eine der wenigen einfachen Gemeinschaften der Analyse. Dies deutet darauf hin,  dass diese Organismen ökologisch belastet waren. Dies unterstützt die Idee, dass die Ediacara-Biota im Vorfeld der Kambrium-Explosion allmählich ausstarben. Obwohl es eine aufregende Idee ist, sagte Darroch, ist es nur ein einzelner Datenpunkt und es wird noch sehr viel Forschung benötigen, um diese Vermutung zu beweisen.

Das Team verwendet auch auf Fossilien basierende 3D-Modellierungen, um die Ediacara Biota besser charakterisieren zu können. Sie verschwanden vor 540 Millionen Jahren vollständig – zu einem Zeitpunkt, als frühe Arthropoden, Mollusken und Schwämme gerade erst begannen, auf der Erde zu erscheinen.

Veröffentlichung: Simon A. F. Darroch, Marc Laflamme, Peter J. Wagner. High ecological complexity in benthic Ediacaran communities. Nature Ecology & Evolution, 2018; DOI: 10.1038/s41559-018-0663-7

Quelle: off. Pm der Vanderbilt University

Titelbildunterschrift: Dies sind Ediacara Fossilien, die während Darroch’s neuesten Forschungen in Namibia gefunden wurden. (Foto: Simon A. F. Darroch)

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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.