Großtierjagd mit Stoßzahnspeeren – Mammut-Elfenbein als Rohstoff für Jagdwaffen

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Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie Weimar haben erstmalig die mechanischen Eigenschaften von Mammut-Elfenbein aus sibirischem Permafrostboden mit Elfenbein heutiger Afrikanischer Elefanten detailliert verglichen. In ihrer kürzlich im Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie zeigt das Wissenschaftlerteam, dass sich Mammut-Elfenbein aufgrund seiner außergewöhnlichen Materialeigenschaften ideal zur Herstellung von Spitzen eiszeitlicher Jagdwaffen eignete – eine Tatsache, die altsteinzeitliche Großwildjäger auch in Mitteleuropa nutzten.

Spiralig eingebogene Stoßzähne unterschiedlicher Größe sind das wohl beeindruckendste, weithin sichtbare Merkmal der Mammute. Die mit dem Ende der eiszeitlichen Mammutsteppe ausgestorbenen Rüsseltiere setzten ihre lebenslang wachsenden bis zu 3,5 Meter langen und gelegentlich über 100 kg wiegenden Stoßzähne als Statussignal und Waffe, aber auch als Werkzeug, etwa zum Aufbrechen von vereisten Tränken ein. Scharten und Facetten auf der Zahnoberfläche der Eiszeit-Riesen zeugen von kraftvoller Benutzung, die oftmals zu Aussplitterungen, aber nur in seltenen Fällen zu Zahnbrüchen führte.

„Es mussten besondere mechanische Eigenschaften sein, die es erlaubten, derart lange Zähne auszubilden. Immerhin ragten etwa zwei Drittel der Stoßzähne frei aus dem Oberkiefer heraus und waren so der durchaus dynamischen Bewegungsmotorik der Tiere unmittelbar ausgeliefert. Wir wollten genauer verstehen, wie dies funktionierte“, erläutert Prof. Dr. Ralf-Dietrich Kahlke von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar das interdisziplinäre Gemeinschaftsprojekt.

Geschossspitzen aus Mammutelfenbein (lange Spitze) und Rentiergeweih von der jung-paläolithischen Höhlenfundstelle Garsitz-Bärenkeller (Thüringen).H. Arnold, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar

Die Menschen der letzten Eiszeit nutzten Mammut-Elfenbein für die Herstellung von Werkzeug und Schmuck sowie großartiger Kunstwerke – letztere finden sich beispielsweise in der kürzlich ernannten UNESCO-Welterbestätte „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“. „Es fiel uns auf, dass zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Teilen der Welt auch Waffen, vor allem perfekt gearbeitete Speerspitzen, aus den Stoßzähnen des Mammuts gefertigt wurden. Wir fragten uns, warum die Eiszeitjäger ausgerechnet diesen Rohstoff nutzten. Das Material ist nicht leicht zu bearbeiten und Geweihe oder Knochen anderer Eiszeittiere waren doch viel einfacherer verfügbar“, so Dr. Sebastian Pfeifer, Archäologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Initiator der Studie. Pfeifer weiter: „Gemeinsam mit Materialwissenschaftlern der Universität Jena haben wir deshalb zahlreiche strukturelle und mechanische Parameter von unverwittertem Mammut-Elfenbein gemessen und die Daten mit denen aus Elfenbein afrikanischer Elefanten verglichen.“

Das Ergebnis: Zusammensetzung und mechanische Eigenschaften von eiszeitlichem Mammut-Elfenbein aus dem Permafrost und dem Elfenbein afrikanischer Elefantenstoßzähne sind nahezu identisch. Das außergewöhnliche Zahnmaterial zeichnet sich durch eine ideale Kombination von Steifigkeit und Zähigkeit aus. Während der eiszeitlichen Kälteperioden war Elfenbein also ein perfekter Rohstoff zur Herstellung von Jagdwaffen, insbesondere für wirksame Geschoßspitzen. 

Im Vergleich zu anderen Eiszeit-Werkstoffen, beispielsweise Rentier-Geweih, wirkt das weißglänzende Mammut-Elfenbein zudem ästhetischer. „Vielleicht waren die eiszeitlichen Träger von Elfenbeinwaffen besonders stolz auf ihre Ausrüstung. Damit könnte das Material auch für sie zum Statuts-Symbol geworden sein“, mutmaßen die Forscher.



Veröffentlichung: Pfeifer, S.J., Hartramph, W.L., Kahlke, R.-D., Müller, F. A. (2019): Mammoth ivory was the most suitable osseous raw material for the production of Late Pleistocene big game projectile points. – Scientific Reports. https://doi.org/10.1038/s41598-019-38779-1

Quelle: off. Pm der Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Titelbildunterschrift: Scheiben aus Stoßzähnen vom Mammut (rechts) und vom Afrikanischen Elefanten (links). (Foto: Susann Döring/Senckenberg Weimar)



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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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