Neuer Artenreichtum nach dem Massenaussterben

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Forscher um die LMU-Paläontologin Adriana López-Arbarello haben drei bisher unbekannte fossile Knochenfisch-Arten identifiziert und neue Einblicke in die Evolutionsgeschichte der Gattung Eosemionotus gewonnen.

Fossiler Knochenfisch E. diskosomus. Bild: A. López-Arbarello
Fossiler Knochenfisch E. diskosomus. (Bild: A. López-Arbarello)

Der Monte San Giorgio im Tessin gehört zu den weltweit wichtigsten Fundstellen von Meeresfossilien aus der Zeit der mittleren Trias vor etwa 240 Millionen Jahren. In den Kalk-und Dolomitschichten des Berges wurden auch die exzellent erhaltenen Fisch-Fossilien gefunden, die Dr. Adriana López-Arbarello vom Lehrstuhl für Paläontologie und Geobiologie und dem Geobiocenter der LMU nun gemeinsam mit Schweizer Kollegen untersucht hat. Wie die Forscher im Fachmagazin Palaeontologia Electronica berichten, gehören die Fische zu drei bisher unbekannten Arten der zu den Strahlenflossern gehörenden Gattung Eosemionotus. „Vor etwa 250 Millionen Jahren hatte das größte bekannte Massenaussterben der Erdgeschichte stattgefunden. Unsere Funde“, sagt die Paläontologin, „sind ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Lebenswelt danach relativ schnell erholt hat und es in der mittleren Trias zu einer raschen Diversifizierung und Neubildung zahlreicher Arten kam.“

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Fossiler Knochenfisch E. minutus. (Bild: R. Stockar, MCSN)

Fast 100 Jahre lang war diese Gattung nur durch eine einzige Art bekannt: den 1906 in der Nähe von Berlin gefundenen E. vogeli. Die zweite bisher bekannte Art wurde wie die neuen Fossilien am Monte San Giorgio entdeckt und im Jahr 2004 als E. ceresiensisbeschrieben. Mithilfe detaillierter anatomischer Studien konnte López-Arbarello nun die drei neuen Arten E. diskosomusE. sceltrichensis, und E. minutus charakterisieren. Alle fünf Arten sind kleine Fische, die sich aber in den Körperproportionen, der relativen Position der Flossen, der Morphologie der Schädelknochen, dem Beschuppungsmuster und der Bezahnung deutlich unterscheiden. „Dies deutet auf eine Anpassung an verschiedene Lebensweisen hin“, sagt López-Arbarello.

Geographische (1) und stratigraphische (2) Lage der neuen Arten. 1 oben: geologische Karte des Gebietes des Monte San Giorgio mit der Sequenz des mittleren triassischen Karbonats und der Lage der Ausgrabungsstätten, in denen Eosemionotusproben gesammelt wurden (modifiziert von Stockar und Kustatscher, 2010). Standort von’Prà degli Spiriti’ gemäß den Informationen der Einheimischen über Alberto Marchi (pers. Komm., 12.06.2018). 2 unten: Mittlere triassische stratigraphische Einheiten des Monte San Giorgio und Vorkommen von Eosemionotus. Stratigraphie nach Commissione scientifica transnazionale Monte San Giorgio 2014, modifiziert. U-Pb altert nach Mundil et al. (2010) und Stockar, Baumgartner und Condon (2012). (Ill.: s. Veröffentlichung)

Durch die verbesserte Datenbasis konnten die Forscher auch neue Einblicke in die Stammesgeschichte der Gattung gewinnen. „Unsere phylogenetischen Analysen zeigen, dass Eosemionotus das älteste Mitglied einer ausgestorbenen Familie innerhalb der Ordnung Semionotiformes ist. Obwohl im Mesozoikum reichlich und vielfältig, sind die Semionotiformen während der Kreidezeit ausgestorben, nur eine Schwestergruppe überlebte mit einer Familie, den Knochenhechten“, sagt López-Arbarello.



Veröffentlichung: Adriana López-Arbarello, Toni Bürgin, Heinz Furrer, Rudolf Stockar. Taxonomy and phylogeny of Eosemionotus Stolley, 1920 (Neopterygii: Ginglymodi) from the Middle Triassic of EuropePalaeontologia Electronica, 2019; DOI: 10.26879/904

Quelle: off. Pm der Ludwig-Maximilians-Universität München

Titelbildunterschrift: Eosemionotus ceresiensis. Holotyp (PIMUZ T 357) in der linken Seitenansicht erhalten, teilweise und im Gegenstück (39 mm SL). Die Skalenleiste beträgt 5 mm. (Bild: s. Veröffentlichung)



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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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