Vierbeiniger Ur-Wal mit otterähnlichen Merkmalen in Peru entdeckt

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Cetacea, die Gruppe der Wale und Delfine, hat ihren Ursprung vor mehr als 50 Millionen Jahren in Südasien und stammt von einem kleinen, vierbeinigen, hufigen Vorfahren ab. Forscher, die über die Entdeckung eines vierbeinigen Ur-Wals berichten, der in 42,6 Millionen Jahre alten marinen Sedimenten entlang der Küste Perus gefunden wurde, haben nun neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Wale und ihre Verbreitung in anderen Teilen der Welt.

Die Ergebnisse werden am 4. April in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht.

Das Vorhandensein kleiner Hufe an der Spitze der Finger und Zehen des Wals und die Morphologie seiner Hüfte und seiner Gliedmaßen deuten darauf hin, dass dieser Wal an Land gehen konnte. Andererseits deuten anatomische Merkmale von Schwanz und Füßen, einschließlich langer, wahrscheinlich schwimmhäutiger Fortsätze, ähnlich einem Fischotter, darauf hin, dass er auch ein guter Schwimmer war.

“Dies ist der erste unbestreitbare Beleg für ein vierbeiniges Wal-Skelett für den gesamten Pazifischen Ozean, wahrscheinlich der älteste für Amerika und der vollständigste außerhalb von Indien und Pakistan”, sagt Olivier Lambert vom Royal Belgian Institute of Natural Sciences.

Vor einigen Jahren entdeckte der Co-Autor der Studie, Mario Urbina vom Museo de Historia Natural (UNMSM), Peru, ein vielversprechendes Gebiet für den Abbau von Fossilien in der Küstenwüste Südperus, genannt Playa Media Luna. Im Jahr 2011 organisierte ein internationales Team, dem Mitglieder aus Peru, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Belgien angehörten, eine Feldexpedition, bei der sie die Überreste eines alten Wals ausgruben, den sie inzwischen Peregocetus pacificus genannt haben. Es bedeutet “der reisende Wal, der den Pazifik erreichte”.

“Beim Graben um die hervorstehenden Knochen herum erkannten wir schnell, dass dies das Skelett eines Vierbeiner-Wals war, mit Vorder- und Hintergliedmaßen”, sagt Lambert.

Die Sedimentschichten, in denen das Skelett entdeckt wurde, wurden mit Hilfe von Mikrofossilien auf ein Alter von 42,6 Millionen Jahren, also genau auf das Mittel-Eozän, datiert. Anatomische Details des Skeletts ließen erkennen, dass das Tier in der Lage war, seinen großen Körper (bis zu 4 Meter lang, einschließlich Schwanz) sowohl an Land als auch im Wasser zu bewegen. So erinnern beispielsweise die Merkmale der Schwanzwirbel an Biber und Otter, was auf einen signifikanten Beitrag des Schwanzes beim Schwimmen hindeutet.

Die Knochen des Peregocetus, einschließlich des Unterkiefers mit Zähnen, Schulterblatt, Wirbeln, Brustbeinelementen, Becken sowie Vorder- und Hintergliedmaßen. (Bild: G. Bianucci)

Das geologische Alter des neuen Vierbeiner-Wals und seine Präsenz an der Westküste Südamerikas unterstützen die Hypothese, dass frühe Wale die Neue Welt über den Südatlantik erreichten, von der Westküste Afrikas bis nach Südamerika, berichten die Forscher. Die Wale hätten bei ihrer Reise durch die Oberflächenströmungen nach Westen hin vordringen können. Anatomische Details des Skeletts ließen erkennen, dass das Tier in der Lage war, seinen großen Körper (bis zu 4 Meter lang, einschließlich Schwanz) sowohl an Land als auch im Wasser zu bewegen. So erinnern beispielsweise die Merkmale der Schwanzwirbel an Biber und Otter, was auf einen signifikanten Beitrag des Schwanzes beim Schwimmen hindeutet.

Verbreitung von Protocetidwalen im Mittel-Eozän (Ill.: s. Veröffentlichung)

Das geologische Alter des neuen Vierbeiner-Wals und seine Präsenz an der Westküste Südamerikas unterstützen die Hypothese, dass frühe Wale die Neue Welt über den Südatlantik erreichten, von der Westküste Afrikas bis nach Südamerika, berichten die Forscher. Die Wale hätten bei ihrer Reise durch die Oberflächenströmungen nach Westen hin unterstützt werden können. Außerdem war die Entfernung zwischen den beiden Kontinenten damals nur halb so groß wie heute. Die Forscher vermuten, dass die amphibischen Wale erst nach Südamerika in Richtung Norden und schließlich weiter bis nach Nordamerika wanderten.

Das internationale Team untersucht weiterhin die Überreste anderer Wale und Delfine aus Peru. “Wir werden weiter in Ortschaften suchen, deren Schichten so alt und noch älter sind wie die von Playa Media Luna, so dass in Zukunft ältere amphibische Wale entdeckt werden könnten”, sagt Lambert.



Veröffentlichung: Current Biology, Lambert et al.: “An amphibious whale from the middle Eocene of Peru reveals early South Pacific dispersal of quadrupedal cetaceans” https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(19)30220-9 , DOI: 10.1016/j.cub.2019.02.050

Quelle: off. Pm der Cell Press

Titelbildunterschrift: Diese Illustration zeigt eine künstlerische Rekonstruktion von zwei Individuen des Peregocetus, von denen eines am felsigen Ufer des heutigen Peru steht und das andere auf Beutejagd ist. (Ill.: A. Gennari)



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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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