Hangenberg-Krise: Schuld waren die Vulkane

Share Button

Senckenberg-Wissenschaftler Peter Königshof hat gemeinsam mit einem internationalen Team in Vietnam ein globales Aussterbeereignis an der Devon-Karbon-Grenze untersucht. Im Zuge dieses Ereignisses vor 359 Millionen Jahren starben 20 Prozent aller wirbellosen und 50 Prozent aller meeresbewohnenden Wirbeltiere aus. In der kürzlich im Fachjournal „Global und Planetary Change“ veröffentlichten Studie nennen die Autoren vulkanische Aktivität als Hauptursache der sogenannten „Hangenberg-Krise“.

Die großen Artensterben sind die einschneidendsten Ereignisse in der Geschichte des Lebens – heute erzählen Gesteine und Fossilien von diesen dramatischen Episoden der Erdgeschichte. „So ist es auch bei der sogenannten ‚Hangenberg-Krise’“, erläutert Dr. Peter Königshof vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt und fährt fort: „Rund um den Globus finden wir schwarze Schiefer und Sandsteine die in den Zusammenhang zu diesem großen Massenaussterben vor etwa 359 Millionen Jahren gebracht werden.“

Aschelagen in der Mongolei aus dem späten Devon bekräftigen die These des globalen Vulkanismus.
(Foto: Senckenberg)

Während bei den Forschenden Einigkeit darüber herrscht, dass die schwarzen Gesteine auf einen sehr sauerstoffarmen Ozean hinweisen und die Sandsteine mit wiederkehrenden, globalen Meeresspiegelschwankungen zusammenhängen, ist die eigentliche Ursache für das Aussterbeereignis nach wie vor unklar. „Während der beiden, aufeinanderfolgenden Aussterbeereignisse – Kellwasser-Event und Hangenberg-Krise – starben 50 bis 75 Prozent aller Arten aus – wir haben nach Antworten gesucht, was das Massensterben ausgelöst haben könnte“, so der Frankfurter Geologe.

Königshof und ein internationales Team haben hierfür einen geologischen Aufschluss im nordöstlichen Vietnam unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler unterzogen den Gesteinen eine vollständig geochemische Analyse und fanden dabei unter anderem signifikante Quecksilberanreicherungen.

„Dies deutet auf einen ausgeprägten globalen Vulkanismus in dieser Epoche hin. Von anderen Aussterbeereignissen wissen wir, dass solcher Megavulkanismus – durch die rasante Vermehrung von Primärproduzenten – zu Sauerstoffmangel, als auch zu einer Versauerung durch die Reduzierung des pH-Wertes in den Weltmeeren führen kann, was wiederum zum massenhaften Aussterben der Meeresbewohner führt. Wir gehen davon aus, dass auch die ‚Hangenberg-Krise’ so ausgelöst wurde “,

fasst Königshof die Ergebnisse zusammen.

Neuere Daten von aktueller Feldforschung in der Mongolei und China bestätigen diese Hypothese.


Veröffentlichung: Olivia Paschall, Sarah K. Carmichael, Peter Königshof, Johnny A. Waters, Phuong H. Ta, Toshifumi Komatsu, Allison Dombrowski (2019): The Devonian-Carboniferous boundary in Vietnam: Sustained ocean anoxia with a volcanic trigger for the Hangenberg Crisis?, Global and Planetary Change, Volume 175, 2019, Pages 64-81, https://doi.org/10.1016/j.gloplacha.2019.01.021.

Quelle: off Pm des Senckenberg Museums

Titelbildunterschrift: Diorama-Szene rekonstruierter Meereslebewesen aus der Devonzeit. (Bild: University of Michigan Museum of Natural History, CC BY-NC-ND 2.0.)


Ähnliche Beiträge
Ein Team von Wissenschaftlern ist zu dem Schluss gekommen, dass die Erde ein zuvor unterschätztes
Als der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte, auf den Planeten einschlug, setzte der Einschlag Wälder
Das Massensterben beschwört typischerweise ein Bild von einem Meteoriten, der auf die Erde fällt und
Eine neue Studie könnte helfen, die treibende Kraft hinter dem größten Massensterben der Erdgeschichte zu
Während Studien zur Bewertung des Gefährdungsstatus von Amphibien sich meist auf lebende Arten konzentrieren, haben
The following two tabs change content below.

Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.