Neue Belege für aktiven Vulkanismus auf der Venus

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Neue Forschungen, die von der Universities Space Research Association (USRA) geleitet und nun in Science Advances veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Lavaströme auf der Venus möglicherweise nur wenige Jahre alt sind. Dies deutet darauf hin, dass die Venus heute vulkanisch aktiv sein könnte und damit der einzige Planet unseres Sonnensystems – neben der Erde – ist, auf dem es kürzlich zu Ausbrüchen gekommen ist.

“Wenn die Venus heute tatsächlich aktiv ist, wäre sie ein großartiger Ort für einen Besuch, um das Innere der Planeten besser zu verstehen”, sagt Dr. Justin Filiberto, der Hauptautor der Studie und Mitarbeiter der Universities Space Research Association (USRA) am Lunar and Planetary Institute (LPI). “Wir könnten zum Beispiel untersuchen, wie die Planeten abkühlen und warum die Erde und die Venus aktiven Vulkanismus haben, der Mars aber nicht. Zukünftige Missionen sollten diese Ströme und Veränderungen der Oberfläche erkennen und konkrete Beweise für seine Aktivität liefern können”.

Bilder von Olivin-Kristallen vor und nach der Oxidation.
(A) 900°C-Experimente und (B) 600°C-Experimente.
Die Bilder sind in der Reihenfolge der zunehmenden Zeit der Veränderung von links nach rechts angeordnet. Die Ergebnisse zeigen eine Abnahme der Grünfärbung des Olivins und die Bildung von Beschichtungen mit Zunahme der Oxidationszeit. Die Beschichtung ist zunächst metallisch, bevor sie mit der Oxidationszeit stumpfrot wird.
(Bildnachweis: Delia Enriquez-Draper, USRA.)

Radaraufnahmen der NASA-Raumsonde Magellan Anfang der 1990er Jahre zeigten, dass die Venus, unser Nachbarplanet, eine Welt der Vulkane und ausgedehnten Lavaströmen ist. In den 2000er Jahren warf der Venus-Express-Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) neues Licht auf den Vulkanismus der Venus, indem er die Menge an infrarotem Licht maß, die von einem Teil der Venusoberfläche (während der Nacht) ausgesendet wird. Diese neuen Daten ermöglichten es den Wissenschaftlern, frische und veränderte Lavaströme auf der Venusoberfläche zu identifizieren. Bis vor kurzem war das Alter von Lavaausbrüchen und Vulkanen auf der Venus jedoch noch nicht gut genug geklärt, da die Veränderungsrate von frischer Lava nicht ausreichend eingegrenzt war.

Dr. Filiberto und seine Kollegen stellten die heiße, ätzende Atmosphäre der Venus im Labor nach, um zu untersuchen, wie die beobachteten Venusminerale reagieren und sich mit der Zeit verändern. Ihre experimentellen Ergebnisse zeigten, dass ein reichlich vorhandenes Mineral im Basalt-Olivin schnell mit der Atmosphäre reagiert und innerhalb von Wochen mit den Eisenoxidmineralen Magnetit und Hämatit überzogen wird. Sie fanden außerdem heraus, dass die beobachteten Veränderungen in der Minerologie nur einige Jahre dauern würden. Die neuen Ergebnisse von Filiberto legen also nahe, dass diese Lavaströme auf der Venus sehr jung sind, was wiederum impliziert, dass es auf der Venus tatsächlich aktive Vulkane gibt.


Veröffentlichung: “Present-day volcanism on Venus as evidenced from weathering rates of olivine” Science Advances (2020). advances.sciencemag.org/content/6/1/eaax7445

Quelle: off. Pm der Universities Space Research Association

Titelbildunterschrift: Diese Abbildung zeigt den Vulkangipfel Idunn Mons (bei 46 Grad südlicher Breite, 214,5 Grad östlicher Länge) im Imdr Regio-Gebiet der Venus. Die farbige Überlagerung zeigt die Wärmemuster, die aus den Oberflächenhelligkeitsdaten abgeleitet wurden, die mit dem Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer (VIRTIS) an Bord der Raumsonde Venus Express der Europäischen Weltraumorganisation Venus gesammelt wurden. (Foto: NASA)


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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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