Alte Meteoritenstätte gibt neue Hinweise auf die Vergangenheit des Mars

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Die Marsatmosphäre – und die Frage, ob dort einst Leben möglich war – treibt die Wissenschaft schon seit langem an. Während die Existenz großer Gewässer auf dem frühen Mars unbestritten ist, ist bislang unklar, ob Leben dort möglich war. Unerforscht ist vor allem, welcher pH-Wert dort vorherrschte. Er ist ein wichtiger Parameter und beschreibt die Menge an Säuren und Basen in einer Lösung. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der University of St. Andrews in Schottland hat für eine aktuelle Studie Stickstoff-Isotopen-Messungen am Einschlagskrater Nördlinger Ries in Süddeutschland vorgenommen.

An der Analyse beteiligt waren die Universität Göttingen und das Bayerische Landesamt für Umwelt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen. 

Der Krater des Nördlinger Rieses bildete sich vor etwa 15 Millionen Jahren durch einen Asteroiden-Einschlag. Er entstand in einer wassergesättigten Landschaft, hat eine innere Ringstruktur und eine doppelte Auswurfdecke mit Wall-Struktur. Dadurch ist er bestens geeignet als Modellkrater für Vergleiche mit dem Mars. Die Forscherinnen und Forscher ziehen ihre Schlüsse anhand mineralogischer, sedimentologischer und biologischer Indikatoren sowie aufgrund hydrochemischer Modellrechnungen. Sie schlussfolgern, dass die schrittweise Erosion der unterschiedlichen Auswurfdecken zu einer chemischen Entwicklung des nachfolgenden Kratersees geführt hat. 

Salinenkrebs-Kotpillen im Sediment der Sodasee-Phase des Rieskratersees. Der heutige Salinenkrebs Artemia kommt sowohl in übersalzenen (Great Salt Lake) wie auch hoch-alkalischen Seen (Mono Lake/Kalifornien) vor. Er zeigt Extremmilieus an, liefert aber keine Aussagen bezüglich pH-Werten. Diese können nun mit Stickstoff-Isotopenverhältnissen der Sedimente rekonstruiert werden. (Foto: Gernot Arp, Universität Göttingen)

„Der Kratersee hat sich von einem frühen hoch-alkalischen Sodasee mit einem pH-Wert von 9.8 zu einem Meerwasser-ähnlichen, mäßig alkalischen Steinsalzsee mit einem pH-Wert von 8.5 entwickelt“, erläutert Prof. Dr. Gernot Arp von der Abteilung Geobiologie der Universität Göttingen. Stickstoff-Isotopen-Messungen am Material der vor 47 Jahren erschlossenen Forschungsbohrung „Nördlingen 1973“ bestätigen damit dieses von Göttinger Geowissenschaftlern 2013 aufgestellte Modell für den Rieskratersee. „Dabei steigt der pH-Wert schnell an, worauf ein schrittweises sogenanntes Rücktitrieren folgt“, so Arp. 

Bei zukünftigen Mars-Missionen könnten auch dortige Sedimente auf ihren pH-Wert untersucht werden. Diese pH-Wert-Rekonstruktionen von ehemaligen Gewässern auf dem Mars würden dann auch indirekt Rückschlüsse auf vergangene CO2-Verhältnisse in dessen Atmosphäre erlauben.


Veröffentlichung: Eva E. Stüeken et al. Nitrogen isotope ratios trace high-pH conditions in a terrestrial Mars analog site. Science Advances (2020). https://advances.sciencemag.org/content/6/9/eaay3440

Quelle: off. Pm der Georg-August-Universität Göttingen



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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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