The Valley of Ten Thousand Smokes

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Im Südwesten Alaskas liegt gegenüber der Kodiak Insel der 15 km² große Katmai-Nationalpark. Er wurde 1980 gegründet und ist vor allem für drei seiner Sehenswürdigkeiten auch außerhalb Alaskas bekannt: Braunbären, Lachse und Vulkane. Die wichtigsten und bekanntesten Vulkane in dieser Gegend sind Griggs, Juhle, Katmai, Mageik, Mt. Martin, Novarupta und Trident. Diese Vulkane gehören zu der vulkanischen Inselkette der Aleuten.

Geographische Lage und Erstreckung des Aleuten Vulkanbogens im Golf von Alaska. (Foto: Gretarsson, Wikimedia, CC BY-SA 2.0)

Der Aleuten-Inselbogen verläuft entlang der Grenze zweier Lithosphärenplatten. Hier stoßen zwei der größten tektonischen Platten der Erde aufeinander: Die pazifische Platte und die nordamerikanische Platte. Da die pazifische Platte zu den ozeanischen Platten gehört, hat sie eine etwas höhere Dichte, als die der kontinentalen nordamerikanischen Platte. (3,0 g/cm3 (ozeanisch) zu 2,7 g/cm3 (kontinental). Dieser Dichteunterschied sorgt dafür, dass die pazifische Platte an ihrem Nordrand in nordwestlicher Richtung unter die nordamerikanische Platte subduziert wird. Die Aleuten sind also die sichtbaren Zeugen dieser Kollision. Global gesehen gehören die Aleuten zum vulkanisch aktiven “Ring of Fire”.

Besonders prägend für diese geologisch aktive Gegend war der Novarupta. Eine Woche vor seinem letzten Ausbruch bemerkten die Einwohner des Gebietes immer wieder Erdbeben. Diese Gegend Alaskas gilt seit jeher als geologisch instabil. Da die Erdbeben kontinuierlich an Stärke und Häufigkeit zunahmen, entschlossen sich die Bewohner, die Gegend zu verlassen. Zum Glück! Am 6. Juni 1912 brach der Novarupta gegen 13:00 Uhr aus. Es sollte der schwerwiegendste Ausbruch des 20. Jahrhunderts werden. Der Ausbruch dauerte 60 Stunden. Die Explosion war noch in der 1.200 km entfernten Stadt Juneau zu hören.

Gefährlich ist der Novarupta, weil er in einer – nach Plinius dem Jüngeren benannten – plinianischen Eruptionen ausbrach. Plinianische Eruptionen sind extrem explosiv und gehen immer einher mit einem großen Ausstoß von Magma, Asche, Bimsstein und Gasen. Der Novarupta-Ausbruch war der größte weltweit seit dem Tambora-Ausbruch 1815. Während des Ausbruchs wurden 13 km3 Magma ausgestoßen, 30mal mehr als beim Mount St. Helens-Ausbruch 1980. Die Eruptionssäule transportierte die Asche 32 km hoch in die Atmosphäre und tauchte die Insel Kodiak in Dunkelheit. Aufgrund des stark angestiegenen Ascheanteils der Atmosphäre fiel die weltweite Durchschnittstemperatur um 1 Grad ab.

Novarupta ist ein Stratovulkan (lat. stratum = Schicht, daher auch Schichtvulkan). Stratovulkane sind typisch für Subduktionszonen. Sie kennzeichnet ein intermediäres-saures Magma mit einem Siliziumgehalt zwischen 55-60%. Lavaflüsse sind selten. Häufig dagegen sind pyroklastische Ströme und Lahare. Der heute zu sehende Lavadom zeigt, dass die Lava zum Zeitpunkt des Ausbruchs hochviskos war. Je höher die Viskosität einer Lava ist, umso zähflüssiger ist diese.


Definitionen

Pyroklastischer Strom: eine Lawine aus heißer Asche, Gasen, Gesteinsstücken und Kristallen. Sie treten vor allem bei Subduktionszonenvulkanen auf, die eine sehr zähflüssige Magma aufweisen. Diese verhindert, dass die in der Magma gebundenen Gase austreten können. P. S. können weit über 100 km/h schnell werden und Temperaturen von bis zu über 500°C erreichen. Sie verbrennen und töten alles, was auf ihrem Weg ins Tal in die Quere kommt.

Lahar: bei Vulkanausbrüchen austretender Schlammstrom aus Asche und Wasser. Dieser kann noch Tage nach dem eigentlichen Ausbruch auftreten und verheerende Verwüstungen anrichten.


Die Aschewolke von Novarupta breitete sich schnell über Alaska und Nordamerika aus. (Ill.: USGS/J. Fierstein)

Auch wenn die globalen Auswirkungen des Vulkanausbruchs beträchtlich ausfielen, so war der Einfluss auf die direkte Umgebung Alaskas gravierend zerstörerisch. Die Aschewolke, die bis nach Seattle zog, die pyroklastischen Ströme und die Druckwellen der Eruption bedeckten das Tal mit dicken Ablagerungen aus heißer Asche und Bimsstein. Das zuvor grüne tundrageprägte Tal wurde innerhalb weniger Stunden in eine heiße Einöde ohne Leben verwandelt. Noch Jahre später wurde die Gegend von Fumarolen geprägt, die so heiß und säurehaltig waren, dass sie die Umgebung nachhaltig zu Lehm verkochte und in die unterschiedlichsten Farben färbte.

Der etwa 10 km von Novarupta entfernte Gipfel des Berges Katmai brach zusammen, als sich die gemeinsame Magmakammer leerte. Am ehemaligen Standort des Katmai-Gipfels befindet sich heute eine 3 km breite und 600 m tiefe Caldera. Auch die Calderabildung ist typisch für die Aleutenvulkane in dieser Gegend.


Definition

Caldera: Große, kessel- oder beckenförmige, Einbruchstruktur über einer Magmakammer. Calderen haben oft gewaltige Ausmaße und entstehen bei vielen Vulkanen, wenn sich die Magmakammer mehr oder weniger entleert und das darüber befindliche Vulkangebäude einstürzt. [Anm. der Autorin: Oftmals füllen sich diese im Nachhinein mit Wasser.] (Quelle: wissen.de)


1916 drang eine Gruppe von Forschern, die von der National Geographic Society finanziert und vom Botaniker Robert F. Griggs angeführt wurde, in die verwüstete Region um den Berg Katmai ein. Die Expedition war schwierig, aber lohnenswert. Der Anblick, der sich ihnen bot, war einzigartig.

Griggs notierte später:

“Der Anblick, der in Sichtweite aufblitzte, war eine der erstaunlichsten Visionen, die je von einem sterblichen Auge gesehen wurden. Das ganze Tal, so weit das Auge reichte, war voll von Hunderten, nein, Tausende – buchstäblich Zehntausende – von Rauchsäulen, die von dem zerklüfteten Boden aufzog… Es war, als hätten alle Dampfmaschinen der Welt ihre Sicherheitsventile auf einmal geöffnet und ließen gemeinsam überschüssigen Dampf ab. Unser Gefühl der Bewunderung [für das Tal] wich bald einem Gefühl der Verblüffung. Wir waren überwältigt. Eine Zeit lang konnten wir weder normal denken noch handeln”.

Diese Fumarolen inspirierten Griggs zu dem Namen “The Valley of Ten Thousand Smokes“. Er war der Ansicht, dass sie ewig aktiv sein würden. 1930 waren jedoch alle Fumarolen abgekühlt.


Definition

Fumarole: Gas- und Dampfausströmungen (150–900 °C) aus Spalten erstarrender Lavamassen; den Mofetten entströmt trockene Kohlensäure, den Solfataren Schwefelwasserstoff und schweflige Säure.


Griggs und die National Geographic Society setzten sich für den Schutz des Tals ein. 1918 wurde das Tal zum National Monument erklärt.

Heute wird Novarupta seismisch überwacht, er gilt aber als inaktiv.




Quellen:

[1] https://www.nps.gov/katm/index.htm

[2] https://www.wissen.de

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Vulkanexplosivitätsindex

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Aleuten

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Novarupta

[6] https://www.avo.alaska.edu/


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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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