Frühe Biber fällten Bäume nicht zum Bau von Dämmen, sondern zunächst für Nahrungszwecke

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Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat das Holzfällverhalten urzeitlicher Biber untersucht, die einst die kanadische Hocharktis durchstreiften. Dabei hat es herausgefunden, dass diese heute ausgestorbenen Nagetiere sich lange vor dem Bau von Dämmen von den Bäumen ernährten und hierfür Holz fällten. Dies ist eine wichtige Entdeckung, da der Holzschlag ein Schlüsselverhalten für die rezent lebenden Biber ist, mit dem sie ihre Lebensräume verändern, neu schaffen und erhalten können. Diese neue Studie deutet darauf hin, dass es bereits seit über 20 Millionen Jahren Raubbau an Bäumen gibt, eine Zeitspanne, die es den Bibern erlaubt haben könnte, die Entwicklung bestimmter Baumarten zu beeinflussen.

Die urzeitlichen Biber, die zur fossilen Abstammungslinie der Dipoides gehören, lebten vor vier Millionen Jahren und waren etwa zwei Drittel so groß wie die heutigen kanadischen Biber. Sie nagten an Bäumen mit abgerundeten Vorderzähnen und nicht wie ihre modernen Verwandten mit quadratischen Zähnen. Die Forscher glauben, dass dieses Holzschlagverhalten nicht auf den Zwang zum Bau von Dämmen zurückzuführen ist, sondern auf das Sammeln von Nahrung.

Vier Millionen Jahre alter Stock aus der Fossilienlagerstätte Beaver Pond in der kanadischen Hocharktis. Er zeigt die vom ausgestorbenen Biber Dipoides verursachten Bissspuren. (Foto: M. Lipman)

Die Studie, die nun in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht wurde, ist von Tessa Plint verfasst. Tessa Plint ist eine ehemalige Absolventin der Western University und promoviert derzeit an der Heriot-Watt-Universität (UK).

“Fossile Tiere und Ökosysteme, die in den wärmeren Zeiten der Erdgeschichte in der hohen Arktis gediehen, können uns einen Eindruck davon vermitteln, wie diese Lebensgemeinschaft in der Zukunft und unter den Auswirkungen der globalen Erwärmung in den Polarregionen aussehen könnte”, so Plint.

“Heute hat der Biber einen tiefgreifenden Einfluss auf die Landschaft und ist bekannt dafür, dass er durch Baumfällung und Dammbau die Artenvielfalt des lokalen Ökosystems erhöht. Es ist faszinierend, in der Zeit zurückzublicken und herauszufinden, wie dieses hyperspezialisierte Instrumentarium eines Verhaltens entstanden ist. Im Western’s Laboratory for Stable Isotope Science untersuchten Forscher chemische Signaturen, die in alten Biberknochen erhalten wurden, um herauszufinden, was genau sie vor vier Millionen Jahren gefressen haben. Die Überraschung für sie war, dass auch Bäume dazu gehörten.

Frühere Biber, die zur fossilen Abstammungslinie der Dipoides gehören, lebten vor vier Millionen Jahren und waren etwa 2/3 so groß wie die lebenden kanadischen Biber. Forscher glauben, dass sie Bäume zur Nahrungsaufnahme und nicht zum Bau von Dämmen abgenagt haben. (Ill.: Luke Dickey)

“Die Isotopensignatur der Nahrung wird in der Nahrungskette bis hinauf zu den Geweben des Verbrauchers weitergegeben. In der Welt der stabilen Isotope ist man wirklich das, was man isst”, sagte Plint.

“Von diesen Erkenntnissen ausgehend können wir beginnen, die potenziellen Auswirkungen des gegenwärtigen Klima- und Umweltwandels auf die Erde zu verstehen und zum Beispiel zu antizipieren – wer höchstwahrscheinlich überleben wird und wer nicht”.

sagt Fred Longstaffe, Western’s Canada Research Chair in Stable Isotope Science.

Die in der Studie verwendeten Fossilien stammen von der Fundstelle Beaver Pond auf Ellesmere Island (Qikiqtaaluk Region Nunavut), einer außergewöhnlichen Fossilfundstelle, die über mehrere Jahre von Feldforschungsteams unter der Leitung von Dick Harington und Natalia Rybczynski im kanadischen Naturmuseum untersucht wurde. Zusätzlich zu den Bibern haben die Fossilienfundstellen auf Ellesmere Beweise für einen alten borealen Wald und eine vielfältige Säugetiergemeinschaft erbracht, darunter ausgestorbene Arten von Bären, Pferden, Dachsen und Kamelen.

Lagekarte von Ellesmere Island und Beamer Pond site. (Karte: University of Western Ontario)

Ashley Ballantyne, heute außerordentlicher Professor für Bioklimatologie an der Universität von Montana, sammelte ursprünglich die für die Studie verwendeten Knochenkollagendaten von Dipoides.

“Je mehr wir diese Zeitkapsel von Ellesmere Island ausgraben, desto mehr entdecken wir eine vom borealen Wald geprägte Landschaft. Es ist ein weiterer Einblick in das Aussehen der Arktis während einer viel wärmeren Zeit in der Erdgeschichte”, sagte Ballantyne.

“Diese Studie zeigt, wie Biber seit Millionen von Jahren Wald- und Süßwasser-Ökosysteme beeinflussen, und hilft uns, die Entwicklung ihrer Rolle als Ökosystemingenieure zu verstehen”, sagte Plint.


Veröffentlichung: Tessa Plint et al. Evolution of woodcutting behaviour in Early Pliocene beaver driven by consumption of woody plants, Scientific Reports (2020). DOI: 10.1038/s41598-020-70164-1

Quelle: off. Pm der University of Western Ontario

Titelbildunterschrift: Ein Größenvergleich von modernen und frühen Bibern und Justin Bieber. (Quelle: Universität von West-Ontario)


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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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