Dinosaurierkinder waren „kleine Erwachsene“

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Paläontologen der Universität Bonn haben erstmals ein beinahe vollständiges Skelett eines Plateosaurus-Kindes beschrieben und entdeckt, dass der Dinosaurier seinen Eltern im Aussehen schon in jungen Jahren sehr ähnelte. Dass der Plateosaurus bereits früh eine weitgehend voll entwickelte Morphologie ausbildete, könnte wichtige Implikationen für die Lebensweise und Fortbewegung der Jungtiere haben. Das 2015 gefundene Plateosaurus-Junge mit dem Spitznamen „Fabian“ stammt aus der Fossilfundstelle Frick in der Schweiz und ist im dortigen Sauriermuseum ausgestellt. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Acta Palaeontologica Polonica“ erschienen.

Langer Hals, kleiner Kopf und mehrere Tonnen Lebendgewicht – mit dieser Personenbeschreibung hätte man vor rund 220 Millionen Jahren den Plateosaurus in Mitteleuropa aufspüren können. Paläontologen der Universität Bonn haben jetzt erstmals ein beinahe vollständiges Skelett eines Plateosaurus-Kindes beschrieben und entdeckt, dass es seinen Eltern im Aussehen schon in jungen Jahren sehr ähnelte. Dass der Plateosaurus bereits früh eine weitgehend voll entwickelte Morphologie ausbildete, könnte wichtige Implikationen für die Lebensweise und Fortbewegung der Jungtiere haben. Das 2015 gefundene Plateosaurus-Junge mit dem Spitznamen „Fabian“ stammt aus der Fossilfundstelle Frick in der Schweiz und ist im dortigen Sauriermuseum ausgestellt. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Acta Palaeontologica Polonica“ erschienen.

Um das Aussehen der Dinosaurier genauer zu untersuchen, greifen Forschende heute auf eine große Anzahl an Skeletten in sogenannten Bone beds („Knochenlagern“) zurück – Orte, an denen die Tiere zu ihren Lebzeiten massenhaft im Schlamm einsanken. Jungtiere waren darin bisher allerdings kaum gefunden worden. Erst vor einigen Jahren beschrieben Forscher erstmals Fossilien von noch nicht erwachsenen Plateosauriern, allerdings waren diese schon fast so groß wie die Erwachsenen. Ein möglicher Grund: „Die kleineren Individuen versanken wahrscheinlich nicht so leicht im Schlamm und sind deswegen an den Fundstellen unterrepräsentiert“, vermutet Studienleiter Prof. Dr. Martin Sander von der Universität Bonn.

Beinknochen von „Fabian“ neben denen von XL, dem größten Fricker Plateosaurusskelett. (Foto: Sauriermuseum Frick, Schweiz)

Mithilfe der vergleichenden Anatomie untersuchten er und sein Team das neue Skelett, das bereits auf den ersten Blick durch seine geringe Größe auffiel. „Wir schätzen die Gesamtlänge des Individuums anhand der Länge der Wirbel auf ungefähr 2,3 Meter, das Gewicht auf ungefähr 40 bis 60 Kilogramm“, erklärt Darius Nau, der den Fund für seine Bachelorarbeit untersuchen durfte. Zum Vergleich: Erwachsene Plateosaurus-Exemplare erreichten Körperlängen von fünf bis zehn Metern und konnten mehr als vier Tonnen auf die Waage bringen. Schon aufgrund seiner geringen Größe lag die Vermutung nahe, dass es sich bei „Fabian“ um ein Jungtier handelte. Diese Annahme bestätigte sich dadurch, dass die Knochennähte der Wirbelsäule noch nicht geschlossen waren. Hintergrund: Ähnlich wie die Schädelnähte bei menschlichen Babys verwachsen die Knochennähte erst im Laufe des Lebens.


Jung und Alt ähnelten sich anatomisch und in ihren Körperproportionen


Die Ähnlichkeit des jungen Dinosauriers zu seinen älteren Verwandten stellten die Wissenschaftler sowohl für anatomische Details, zum Beispiel das Muster der Verstrebungen auf den Wirbeln (die sogenannten Laminae, die bei vielen Dinosauriern wichtige anatomische Merkmale sind), als auch für die groben Körperproportionen fest. „Die Hand und der Hals der Jungtiere sind möglicherweise ein bisschen länger, die Armknochen etwas kürzer und schlanker. Insgesamt handelt es sich aber um relativ kleine Variationen, verglichen mit der Variationsbreite der gesamten Art und auch mit anderen Dinosaurierarten“, sagt Nau. Zur Einordnung: Die Jungtiere des verwandten Mussaurus waren beispielsweise nach dem Schlüpfen noch Vierbeiner, die Erwachsenen aber Zweibeiner.

„Dass das Plateosaurus-Jungtier den Erwachsenen bereits derart ähnlich sah, ist umso erstaunlicher, da diese um den Faktor zehn schwerer waren“, betont der Bonner Paläontolge Dr. Jens Lallensack. Denkbar wäre allerdings, dass sich die morphologische Entwicklung von Tier zu Tier stark unterschied – je nachdem, welche klimatischen Bedingungen herrschten oder wie viel Nahrung verfügbar war. Noch heute zeichnen sich Reptilien durch solche Unterschiede aus.


Veröffentlichung: Darius Nau, Jens N. Lallensack, Ursina Bachmann, P. Martin Sander: Postcranial Osteology of the First Early-Stage Juvenile Skeleton of Plateosaurus trossingensis (Norian, Frick, Switzerland). Acta Palaeontologica Polonica; DOI: 10.4202/app.00757.2020

Quelle: off. Pm der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Titelbildunterschrift: Montiertes Skelett des Plateosaurus „Fabian“ im Sauriermuseum Frick, mit dem 50 cm langen Oberschenkelknochen (Femur) eines größeren Plateosaurus als Größenvergleich.
(Foto: Sauriermuseum Frick, Schweiz)


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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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