2016 fanden Wissenschaftler in der Uakit-Region in Sibirien einen Meteoriten. Bei der näheren Untersuchung der mineralischen Zusammensetzung entdeckten Wissenschaftler der Ural Federal University neben einem dutzend üblichen Mineralen auch winzige Kristalle eines Minerals, dass sie bislang nicht kannten. Es bildet würfelförmige Kristalle und kommt auf der Erde nicht vor.
Der Uaktit-Meteorit besteht zu 98% aus Kamacit, einer nickelhaltigen Varietät des Eisens meteoritischen Ursprungs. Leider enthält er nur einen sehr geringen Anteil des neuen Minerals, das die Wissenschaftler nach der Fundregion „Uakitit“ getauft haben. Die Partikel sind nur etwa 1 bis 5 Mikrometer groß. Zum Vergleich: Ein rotes Blutkörperchen ist in etwa 6 bis 8 Mikrometer groß.
„Um die Entdeckung eines neuen Minerals zu beweisen, ist es notwendig, Daten über seine Kristallstruktur zu erhalten“, erklärt Viktor Grokhovsky, Professor am UrFU. Da die Größe der Uakitit-Probe sehr klein ist, war es unmöglich, dieses Problem durch die herkömmliche Methode der Röntgenanalyse zu lösen. Die Struktur wurde daher mittels Elektronenbeugung untersucht.“
Uakitit besteht größtenteils aus Vanadium, Stickstoff und kleinen Anteilen Eisen und Chrom. Aufgrund der geringen Fundmenge konnten die Wissenschaftler lediglich die chemische Zusammensetzung und die Struktur benennen. Es bildet kubische Kristalle und ist mit einer Mohshärte von 9-10 einer der härtesten uns bekannten Minerale – hinter Diamant, der die Mohshärte 10 definiert.
Die mineralische Zusammensetzung des Meteoriten weist darauf hin, dass er unter extrem heißen Bedingungen entstanden ist. Viele der Minerale bilden sich erst bei einer Umgebungstemperatur von 1.000 bis 2.000 Grad. Das Uakitit ist von Eisen- und Chromsulfiden umgeben, die sich von der dominierenden Eisen-Nickel-Schmelze abtrennte.
Uakitit kann sich aufgrund der extremen Entstehungsbedingungen nur in Asteroiden bilden, da nur diese die entsprechende Schmelztemperatur bei ihrer Bildung erreichen konnten.
Es gibt allerdings eine einzige Möglichkeit, wo man Uakitit noch finden könnte: Im Erdkern. Der Erdkern besteht ebenfalls aus einer Eisen-Nickel-Legierung. Man geht davon aus, dass die Legierung aus 80% Eisen und 20% Nickel besteht. Aufgrund des hohen Drucks ist der innere Kern aber – im Vergleich zum äußeren Kern – fest. Nur hier herrschen die nötigen Voraussetzungen, damit sich Uaktit bilden könnte. Aber dies herauszufinden ist wohl (bislang) eine Sache der Unmöglichkeit.
Veröffentlichung: UAKITITE VN, A NEW NITRIDE IN IRON METEORITES: 81st Annual Meeting of The Meteoritical Society 2018 (LPI Contrib. No. 2067), 2018
Titelbildunterschrift: BSE-Bild eines Uakitit-haltigen Phosphid-Sulfid-Einschlusses in Kamazit. (Bild: s. Veröffentlichung)

Pia Gaupels



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