Phosphor als unterschätzter Auslöser globaler Krisen

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Ein unscheinbarer Nährstoff könnte eine Schlüsselrolle bei einigen der größten Massenaussterben der Erdgeschichte gespielt haben: Neue Studien zeigen, wie Phosphor das Klima kippte, Ozeane ersticken ließ – und warum das auch heute noch relevant ist.

Neue geologische Forschung legt nahe, dass ein unscheinbarer Stoff eine dramatische Rolle in der Erdgeschichte gespielt hat: Phosphor. Wissenschaftler konnten zeigen, dass kurzfristige Anstiege dieses Nährstoffs in den Ozeanen eng mit zwei der größten Massenaussterben der Erdgeschichte verknüpft sind – im späten Ordovizium vor etwa 445 Millionen Jahren und im späten Devon vor rund 372 Millionen Jahren.

Um diese Zusammenhänge zu entschlüsseln, untersuchten Forschende Phosphor in Karbonatgesteinen aus sieben weltweit verteilten Gesteinsprofilen, darunter auch bedeutende Referenzregionen wie Anticosti Island in Kanada. Auf diese Weise konnten sie rekonstruieren, wie sich die Phosphorkonzentrationen im damaligen Meerwasser verändert haben.

Die überraschende Erkenntnis: Anders als viele andere Aussterbeereignisse gingen diese Krisen nicht mit Erwärmung, sondern mit globaler Abkühlung einher. Die Daten zeigen, dass sogenannte „Phosphor-Pulse“ offenbar eine Kettenreaktion auslösten. Mehr Phosphor bedeutete zunächst mehr biologisches Wachstum im Meer. Doch diese gesteigerte Produktivität führte zu Sauerstoffmangel (Anoxie) in den Ozeanen – mit fatalen Folgen für marine Lebensformen.

Gleichzeitig beeinflusste dieser Prozess auch das Klima: Durch verstärkte biologische Aktivität wurde Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden, was eine Abkühlung von bis zu fünf Grad Celsius begünstigt haben könnte. Das Zusammenspiel von Nährstoffkreislauf, Klima und Leben zeigt eindrucksvoll, wie eng die Systeme der Erde miteinander verknüpft sind.

Besonders brisant ist der Blick in die Gegenwart: Auch heute verändert der Mensch die Nährstoffflüsse in die Ozeane – etwa durch Landwirtschaft und Abwässer. Die geologischen Archive machen deutlich, dass solche Eingriffe weitreichende und schwer vorhersehbare Konsequenzen haben können. Die Vergangenheit liefert damit eine eindringliche Warnung für die Zukunft unseres Planeten.


Titelbild: Massenaussterbeereignis unter Wasser. (KI-generiert by Pia Gaupels, Copilot)

Veröffentlichung: Matthew S. Dodd et al, Recurring marine phosphorus spikes during major palaeozoic mass extinctions and climate change, Nature Communications(2026). DOI: 10.1038/s41467-026-70701-y

Quelle: University of Western Australia


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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie besitzt ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

Pia Gaupels

Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie besitzt ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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