
Vor 13 Jahren entdeckten Forscher im Golf von Mexiko die ersten sogenannten „Asphaltvulkane“. Doch anders als vermutet schaffen die Kohlenwasserstoffe kein lebensfeindliches Milieu; einige Krebs- und Bartwurmarten haben diese schwarze Umgebung als Heimat gewählt.
Normalerweise schadet austretendes Öl der ozeanischen Flora und Fauna, da es für die meisten nicht angepassten Organismen wie Gift wirkt. Katastrophen wie auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Jahr 2010 bedeuten somit einen erheblichen Einschnitt in die Biodiversität.
Öl gelangt jedoch nicht nur durch Unfälle in das Meer, es kann auch auf natürliche Weise aus „Asphaltvulkanen“ austreten. Sie entstehen, wenn unterseeische Salzstöcke nach oben drücken und Risse entstehen, durch die Erdöl und -gas aus Tiefseereservoirs austreten kann. Doch es scheint, als wäre der schwarze Schlamm alles andere als lebensfeindlich.
Heiko Sahling und sein Team vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) der Universität Bremen orteten die Gebilde kürzlich mithilfe eines Echolot-Systems, dessen Schallsignal bei Vorhandensein von Kohlenwasserstoffen verstärkt wird, und untersuchten einige davon exemplarisch mit dem Tauchroboter MARUM-QUEST. Ziel war es, die Austrittsform des Öls und dessen Auswirkungen auf die dort lebenden Organismen zu ermitteln.
„Das Gas wandelt sich zum Teil in Gashydrat um, das kleine Hügel am Meeresboden bildet, die dicht mit metergroßen Bartwürmern besiedelt sind“, so Sahling. Überlagert werden diese Hügel von einer Reaktionszone, in welcher Bakterien Methan abbauen und die Würmer wurzeln, um lebensnotwendige reduzierte Schwefelverbindungen aufnehmen zu können. Auch flüssiges Öl quillt aus kleinen, weißen Schloten, die entgegen der Erwartungen stark besiedelt sind. Das reiche Leben an diesen Stellen zeige, dass bestimmte Organismen sogar von diesen Kohlenwasserstoffen leben können.
Der Asphalt – ein Teil des Rohöls, der sich nicht verflüchtigt oder sofort abgebaut wird – bildet am Meeresboden Fließstrukturen von mehreren hundert Metern, die ebenfalls von Bakterienmatten, Krebsen und Würmern besiedelt werden.
Heiko Sahling: „Es ist schon ein eigenartiger Lebensraum.“
– Dem können wir nur zustimmen.

Quelle: MARUM (25.08.2016)

Pia Gaupels



Neueste Artikel von Pia Gaupels (alle ansehen)
- Urzeitliche Seekuh von mehreren Raubtieren angegriffen - 30. August 2024
- Wie eine Salzkrise die Biodiversität im Mittelmeer radikal veränderte - 30. August 2024
- Zweite Menschenaffenart in der Hammerschmiede entdeckt - 9. Juni 2024