Seit Langem wird die Wiederbelebung ausgestorbener Tierarten wie Mammut, Wollnashorn oder sogar Dinosauriern diskutiert. Die Sehnsucht nach dem „live Erleben“ dieser prähistorischen Giganten spiegelt sich in Filmen wie Jurassic Park und Terra Nova wider. Und doch scheitern sämtliche dieser Projekte – entweder am Geld oder der schieren Unmöglichkeit, vollständiges Erbgut aus Fossilien und Moorleichen zu gewinnen.
Ist es denn überhaupt möglich, längst vom Antlitz der Erde verschwundene Tiere wiederauferstehen zu lassen? Forscher sind überzeugt, dass es sich hierbei nur um eine Frage der Zeit handelt. Aus technischer Sicht mag das stimmen, es müssen allerdings auch ethisch-moralische und biologische Bedenken in die Entscheidung einfließen. Denn: Wie sinnvoll ist dieses Vorhaben?
Bereits in diesem Jahr gaben die International Union for Conservation of Nature (IUCN) und UC Santa Barbara (UCSB) Richtlinien zur Wiederbelebung ausgestorbener Spezies heraus; auch Zeitschriften wie „Functional Ecology“ greifen diese kontroverse Thematik auf.
„Die Idee, das Aussterben rückgängig zu machen, beschwört eine fundamentale und philosophische Frage herauf: Tun wir es, um einen Zoo zu errichten, oder um die Natur ‚aufzufrischen‘?“, meint Co-Autor Benjamin Halpern, Direktor der UCSB. „Beide Möglichkeiten sind durchaus begründet, wobei die Wiederbelebung der Spezies in deren normalem Umfeld ein viel, viel schwierigeres Unterfangen sein wird.“
Ziel müsse es sein, sogenannte „Öko-Zombies“ zu vermeiden, die zwar genetisch ihren Vorfahren entsprechen, aber in einer komplett veränderten Umwelt leben. „Man kann nicht einfach ein Bauteil des einen Systems in ein brandneues Gefüge einsetzen und davon ausgehen, dass es nach wie vor funktioniert“, so Autor McCauley. Das Grasland beispielsweise, in dem die Mammuts einst lebten, wurde längst durch mehrfache Klimaänderung und menschliche Besiedelung derart verändert, dass es heute nicht mehr in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden kann.
Das UCSB-Team sprach daher drei Empfehlungen aus:
- Das Hauptaugenmerk sollte auf Tieren liegen, die erst vor wenigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten ausstarben; weniger auf jenen, die vor vielen tausend Jahren verschwanden. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Falklandfuchs, Beutelwolf und Dodo.
- Die Wissenschaftler empfehlen die Auswahl von Tieren, deren Rolle in der Ökologie wahrlich unersetzlich seien. Dazu gehört die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus, die die einzige insektivore Fledermaus in ihrem Habitat war. Eine Wiederbelebung würde das hinterlassene Loch im Ökosystem wieder schließen.
- Außerdem müssten die Lebewesen im Labor leicht reproduzierbar sein, um eine Fülle von Genen zu ermöglichen. Je mehr Tiere vorhanden sind, desto größer ist deren – hoffentlich positiver – Einfluss aus das Ökosystem.
Mit diesen Punkten wünschen die Forscher eine Diskussion in der wissenschaftlichen Gemeinschaft anzuregen, wie man den Prozess der „Wiederbelebung“ ökologisch intelligenter abwickeln könnte. Nicht nur Genetiker, sondern auch Ökologen und Biologen müssten konsultiert werden, ehe eine endgültige Entscheidung gefällt werden könne.
Fans der urzeitlichen Riesen müssen sich also noch gedulden.
Quelle: University of California Santa Barbara (27.08.2016)
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Pia Gaupels
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