Gestein des Jahres 2019: Schiefer

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Anstehender unterdevonischer Tonschiefer in der nördlichen Eifel. Die Verwitterung macht die dünnschichtige Spaltbarkeit deutlich sichtbar.
Foto: © Caronna 
CC BY-SA 3.0
Anstehender unterdevonischer Tonschiefer in der nördlichen Eifel. Die Verwitterung macht die dünnschichtige Spaltbarkeit deutlich sichtbar.
Foto: © Caronna
CC BY-SA 3.0

Schiefer wurde zum diesjährigen Gestein des Jahres gekürt.
Dabei stellt der Begriff Schiefer eigentlich einen Oberbegriff für unterschiedlich stark tektonisch deformierte bzw. gefaltete, mitunter auch metamorphe, Gesteine dar. Ihr gemeinsames Merkmal ist die hervorragende Spaltbarkeit entlang paralleler und engstehender Flächen, die man als Schieferungsflächen bezeichnet. Allerdings bezeichnet man mitunter auch undeformierte, meist feinkörnige Sedimentgesteine, die eine solche Spaltbarkeit aufweisen als Schiefer.
Von dieser genaugenommen fälschlichen Bezeichnung leitet sich z. B. der Begriff Ölschiefer ab, der im streng petrographischen Sinne für einen kohlenstoffreichen Tonstein steht.

Schiefer entstand vor allem in den Erdzeitaltern Devon (vor ca. 350 bis 400 Millionen Jahren) und Karbon aus abgelagerten feinstkörnigen Tonschlamm-Massen, die sich unter dem Auflagerungsdruck in Tonstein verfestigten. Bei der späteren Gebirgsbildung wurden die Tonsteinschichten durch seitlichen Druck aufgefaltet.
Die ursprünglichen Tonminerale wurden entlang feinster Scherflächen gedehnt und kristallisierten unter druckbedingter Erwärmung zu neuen, höherwertigen, plättchenförmigen Mineralien (Glimmer) um. Dadurch wurde dem ursprünglichen Tongestein ein neues Strukturelement aufgeprägt: die Schieferung.
Die gleichförmige Einregelung der Minerale parallel zur Schieferung, ihre Verzahnung ineinander und die Bildung vieler dichtständiger, mikroskopisch feiner Glimmerlagen erzeugt die für den Schiefer so charakteristische Spaltbarkeit.

Die Eigenschaften des Schiefers variieren von Aufschluss zu Aufschluss bzw. von Lagerstätte zu Lagerstätte durch ihre unterschiedlichen mineralischen Zusammensetzungen, bei manchen Lagerstätten treten gelegentlich Fremdeinschlüsse metallischer Art (Pyrite) auf, des weiteren variieren Schiefer in der Körnigkeit, Kristallisation, in der Anzahl der Glimmerlagen, in der Art der Verzahnung uvm. .

In Deutschland baut der Schiefer das Grundgebirge mehrerer großer Höhenzüge auf, dazu gehören z.B. Harz und Lausitzer Bergland. In einigen Fällen sind die Gebirgszüge sogar nach dem Schiefergestein benannt, so zum Beispiel das Rheinische Schiefergebirge oder das Thüringer Schiefergebirge. Auch der berühmte Loreleyfelsen bei Sankt Goarshausen am Rhein, der Heinrich Heine zu seinem berühmten Gedicht inspirierte, ist ein Schieferfelsen und zählt zum UNESCO Welterbe “Oberes Mittelrheintal”.

Bereits seit der Antike ist Schiefer ein beliebter Werkstoff. Noch bis in das letzte Jahrhundert hinein lernten Kinder auf Schiefertafeln das Schreiben, vor allem aber kennt man Schiefer noch heute als edle Dacheindeckung und zur Fassadengestaltung. Schiefer ist resistent gegen Umwelteinflüsse und lässt sich leicht bearbeiten. Er hat nur ein geringes Wasseraufnahmevermögen und weist eine hohe Druckfestigkeit auf.
In Museen und Geoparks werden geologische Verhältnisse, Gewinnung und Verarbeitung veranschaulicht (z.B. im Thüringer Schieferland oder im Schieferschaubergwerk Raumland in Bad Berleburg).

alltägliches Beispiel der Nutzung von Schiefergestein: Fassadengestaltung

Das „Gestein des Jahres“ wird seit 2007 von einem Fachkuratorium unter Federführung des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG) ausgewählt. Mit der Nominierung zum Gestein des Jahres 2019 sollen die unterschiedlichen Facetten des Schiefers der breiten Öffentlichkeit nahegebracht werden. Der Schiefer folgt damit der Steinkohle, die 2018 das Gestein des Jahres in Deutschland war.


Christof Ellger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung

Quellenangaben

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Ariane Paninski

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