Gastartikel: Space Mining – Die Zukunft der Menschheit?

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Was für viele zunächst wie Science-Fiction klingt, könnte in naher Zukunft bereits Realität werden. Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen arbeiten heute schon an der Erschließung extraterrestrischer Rohstoffe, Regierungen loten Gesetze aus und erste Unternehmen suchen nach Investoren für derartige Missionen. Noch wird über hohe Energiekosten diskutiert, doch es zeigt sich: die Anreize könnten für eine solche Unternehmung sprechen.


Nikolas Beitelsmann studiert aktuell Geographie und Philosophie an der Bergischen Universität Wuppertal und versucht in einer Hausarbeit, den neusten Forschungsstand über Space Mining interdisziplinär herauszuarbeiten. Sein Erkenntnisinteresse liegt besonders bei den Beziehungen zwischen Raum und Mensch.


Als Geburtsstunde des Weltraumbergbaus kann das Buch „Unbegrenzte Zukunft: Reichtümer aus dem Universum“ des US-amerikanischen Astrophysikers John S. Lewis gelten, der 1997 die These aufstellte, dass jenseits des Planeten Erde dem Menschen die Möglichkeiten unbegrenzter Rohstoffförderung offen stünden. Durch das ökonomische Potential des Weltraums, so schreibt er, „kann die Erde von ihren Energieproblemen entlastet, können astronomische Mengen an Rohstoffen erschlossen und der Lebensstandard weltweit erhöht werden“. Wenn man sich dazu die Debatten über „die Grenzen des Wachstums“ zu Gemüte führt, die in den 70ern durch die gleichnamige Veröffentlichung des Club of Rome begannen und die heute unter dem Begriff „Postwachstumsgesellschaft“ gerade in den Sozialwissenschaften breit geführt werden, verwundert dieser Ansatz zunächst. Deswegen sollte an dieser Stelle die Frage gestellt werden, ob sich eine solche Unternehmung überhaupt lohnt oder ob hohe Energiekosten es von vornherein unmöglich machen.

Fakt ist: seit Beginn des Digitalzeitalters ist die Bedeutung der sogenannten „Seltenen Erden“ enorm gestiegen. Einsatz finden sie in nahezu allen bedeutenden Zukunftstechnologien, wie zum Beispiel in der Robotik oder der Telekommunikationsindustrie. Das Problem hierbei ist, dass – wie die Bezeichnung schon verrät – die hohe Seltenheit der Metalle und die Prognose, dass deren erschließbaren Lagerstätten schon in den nächsten Jahrzehnten aufgebraucht sein werden. Dies könnte tatsächlich dazu führen, dass die wirtschaftlichen Anreize für Space Mining bald gegeben wären. An dieser Stelle kämen Asteroiden ins Spiel, die mit automatisierten Systemen, sprich Robotern, erschlossen werden könnten. In der Vergangenheit wurde dies schon einige Male realisiert. Derartige ferngesteuerte Raumfahrzeuge landeten bereits auf Himmelskörpern in Erdnähe, den sogenannten „Near Earth Objects“. Den Startschuss machte 2001 die US-amerikanische Raumsonde „NEAR Shoemaker“ auf dem Asteroiden Eros, gefolgt von der japanischen Mission „Hayabusa“ auf dem Asteroiden Itokawa im Jahr 2005. Im Dezember 2018 schließlich erreichte die NASA-Mission „Osiris-Rex“ den Asteroiden Bennu mit der Aufgabe, diesen detailliert zu vermessen und zu kartographieren. Die Ergebnisse erbrachten neue Erkenntnisse über die Oberflächenbeschaffenheit dieser Asteroiden: Bennu ist ein „Rubble Pile“, das bedeutet, er besteht hauptsächlich aus sehr felsigen, mit Gesteinsbrocken gefüllten Regionen. Nur wenige Stellen des Asteroiden haben eine glatte Oberfläche. Insgesamt ist seine Morphologie nicht so fest wie erwartet. Ähnliche Ergebnisse lieferte die im Oktober 2018 auf dem Asteroiden Ryugu gelandete Neuauflage der japanischen „Hayabusa“-Mission, die eine Oberfläche mit dezimeter- bis metergroßen Gesteinen vorfand. Laut dem Raumfahrtingenieur Shane D. Ross wäre auf so einer Oberfläche eine Art Schaufeln und Scharben notwendig; bei härterem Material müsste gebohrt und gesprengt werden.

Zahlreiche dieser Objekte befinden sich dabei gar nicht so weit von der Erde entfernt wie anfangs gedacht, im Gegenteil, einige sogenannte „Near Earth Objects“ kreisen näher an unseren Köpfen vorbei als der Mond. Zentrale Anlaufstelle für die Erfassung dieser Himmelskörper ist die Datenbank „NEODyS-2“, die seit 2011 bereits etwa 20.000 Objekte aufgespürt hat – Tendenz steigend. Durch spektroskopische Analysen können wir bereits sagen, dass sich in diesen vor allem die Rohstoffe Nickel, Eisen, Platin, Seltene Erden und Wasser befinden. Der Anreiz also, auf den Asteroiden Bergbau zu betreiben, wäre vor allem durch die Seltenen Erden gegeben, aber auch die anderen Ressourcen haben einen beträchtlichen Wert. Ein Beispiel: Platin wird für etwa 50.000 USD das Kilogramm verkauft. Kleine Asteroiden in der Größenordnung von 200 Metern, angereichert mit diesem Edelmetall, wären demnach 30 Milliarden USD Wert. Größere Objekte, wie z.B. der durch Radioteleskope analysierte NEO „1986 DA“, umfassen sogar eine geschätzte Menge von 100.000 Tonnen Platin! Heißt: das Potential dieser Asteroiden überstiege bei Weitem die jährliche weltweite Fördermenge dieses Edelmetalls, die sich auf aktuell 200 Tonnen beläuft. Natürlich würden sich bei der Förderung so einer hohen Menge von Platin die Marktpreise stark verändern, doch das Beispiel Aluminium zeigt, dass ein Rohstoff sich wandeln kann, von etwas „Edlem“ zu einem Alltagsprodukt – vorausgesetzt auch die Umstände ändern sich.

Bliebe nur noch die Frage, wie die Energiekosten im Verhältnis zur Erschließung stünden. Postwachstums-Theoretiker wie der italienische Chemiker Ugo Bardi werfen ein, dass die jeweiligen Kosten „buchstäblich nicht von dieser Welt“ sein. Was bei der Kritik jedoch nicht beachtet wird: mit dem Beginn von Space Mining und einer damit einsetzenden Raumfahrtökonomie, würde auch ein nachhaltiger Aufbau von Infrastruktur im Sonnensystem beginnen. Wenn wir nach heutigem technischen Stand ein Raumfahrzeug zu einem Asteroiden schicken, muss der Treibstoff für Hin -und Rückflug auf der Erde gewonnen werden. Da sich allerdings auf den Objekten Unmengen an Wasser befinden, kann laut dem Pionier des Space Minings, John S. Lewis, dieser bedeutende Energieträger vor Ort abgebaut werden. Das könnte sowohl in Form von gasförmigem Wasserstoff als auch für auf Solar -oder Kernkraft basierende Dampfantriebe sein. In der Theorie würde also eine Infrastruktur im Sonnensystem entstehen, sozusagen unabhängig von der Erde und ihrer empfindlichen Ökosphäre und Wirtschaftskreisläufe, deren Wachstum automatisch zu einer Senkung der Kosten führen würde. Was zunächst verrückt klingt, wirkt auf einmal realistisch, wenn ein Blick auf die Historie geworfen wird. Hier zeigte sich wiederholt, dass das vermeintlich Unmögliche jedes Mal von dem Menschen überwunden wurde. Als die Europäer am Ende des Mittelalters ihre ersten Segelschiffe in die Weiten des Ozeans schickten, waren Risiko und Kosten astronomisch hoch. Die Neugierde des Menschen allerdings war größer und trieb ihn hinaus, über Meere, von denen angenommen wurde, sie seien unbezwingbar.

Nicht nur geschichtlich, auch in den Rechtswissenschaften zeigt sich ein ähnliches Verhältnis zwischen den Ozeanen und dem Weltraum, vor allem Hinblick auf die Definition von Eigentumsrechten. Eine gemeinorientierte Idee geht zurück auf das sogenannte „De Mare Librum“ des niederländischen Rechtsgelehrten Grotius, der im 17. Jahrhundert das Meer als einen Raum definierte, den sich jeder aneignen kann, solange dies konfliktfrei geschieht. Im weiteren Verlauf allerdings zeigte sich, dass auf diesem zunächst als Gemeingut anerkannten Grund mit der Zeit die Eigentumsrechte durchgesetzt wurden. An einer ähnlichen Schwelle könnte sich gerade das Weltraumrecht befinden. Im internationalen Weltraumvertrag heißt es wie im „De Mare Librum“, dass dieser allen Akteuren zur gemeinschaftlichen Nutzung frei zu stehen habe. Aktuelle Initiativen aus den USA und interessanterweise selbst aus Luxemburg, wo ein Space-Mining Unternehmen seinen Sitz hat, versuchen allerdings gerade, Eigentumsrechte auf Asteroiden und anderen Himmelskörpern durchzusetzen. Die Weichen stehen also, wie es aussieht, in Richtung Space Mining. Wer einen genaueren Blick wagt, kann beobachten, dass es bereits rege Vorbereitungen in den Wissenschaften, der Politik und der Wirtschaft gibt. Zusammengefasst ließe sich also die Behauptung aufstellen, dass der Bergbau auf Asteroiden in naher Zukunft beginnen wird. Zu welchem Zeitpunkt er genau einsetzt, ist derzeit allerdings noch offen.

Literaturverzeichnis:

  • Lewis, John S. (1997): Unbegrenzte Zukunft – Reichtümer aus dem Universum.
  • Bardi, Ugo (2013) : Der geplünderte Planet. München.
  • Freistetter, Florian (2015): Asteroid Now – Warum die Zukunft der Menschen in den Sternen liegt. München.
  • Morton, Erin (2018): NASA’s Newly Arrived OSIRIS-REx Spacecraft Already Discovers Water on Asteroid. Online: Link
  • Jaumann, Ralf et. al.: Images from the Surface of Asteroid Ryugushow Rocks Similar to Carbonaceous Chondrite Meteorites , in: Science, Bd. 365, 2019, S. 817-820.
  • Ross, Shane D. (2001): Near-Earth Asteroid Mining. Pasadena.
  • O. V. (2019): NEODyS-2: Object List. Online: Link
  • Elvis, Martin: Let’s Mine Asteroids — for Science and Profit, in: Nature, Bd. 485., 2012, S. 549. Lewis, John S. (1997): Unbegrenzte Zukunft – Reichtümer aus dem Universum.
  • Leisering, Walter (Hrsg.): Putzger Historischer Weltatlas. Berlin 1997.
  • Lapidoth, Ruth: Freedom of Navigation – Its Legal History and its Normative Basis, in: Journal of Maritime Law and Commerce, Bd. 6 , 1975, S. 259-272.
  • O.V. (1967): Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper. Online: Link

Titelbildunterschrift: Die Oberfläche des erdnahen Asteroiden Bennu Credit: NASA/Goddard/University of Arizona


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