Pterodactylus antiquus: Ältestes Pterodactylus-Fossil in Deutschland gefunden

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Pterosaurier, die fliegenden Reptilien aus der Ära der Dinosaurier, entstanden in der späten Trias (vor 227 Millionen Jahren) und starben während des Aussterbeereignisses am Ende der Kreidezeit (vor 66 Millionen Jahren) aus. Mit einer Flügelspannweite von 1 bis 12 Metern beherrschten sie mehr als 160 Millionen Jahre lang den Luftraum der Erde. Nun hat man in Deutschland das bislang älteste Exemplar entdeckt: Pterodactylus antiquus. Es ist etwa eine Million Jahre älter als alle bislang gefundenen Exemplare.

Der erste beschriebene und benannte Pterosaurier – und Namensgeber der gesamten Gruppe – ist Pterodactylus aus dem berühmten Solnhofener Kalkstein in Bayern, Süddeutschland. Ursprünglich wurde das Fossil 1784 von dem italienischen Naturforscher Cosimo Alessandro Collini beschrieben und 25 Jahre lang für ein Wassertier gehalten, bevor Georges Cuvier herausfand, dass es sich um ein fliegendes Reptil handelte, das zu einer neuen, bisher nicht anerkannten Gruppe gehörte.

Das älteste Exemplar dieses legendären Flugsauriers – Pterodactylus antiquus – wurde kürzlich in der Nähe von Painten, einer kleinen Stadt im südlichen Teil der Fränkischen Alb in Mittelbayern, gefunden. Das Fossil, das in einer Studie in der Zeitschrift Fossil Record beschrieben wird, ist etwa eine Million Jahre älter als andere Pterodactylus-Exemplare.

Pterodactylus antiquus, DMA-JP-2014/004, aus der oberjurassischen (kimmeridgischen) Torleite-Formation von Painten; Detailaufnahme des Schädels. (Bildnachweis: Augustin et al.)

Das Exemplar wurde 2014 bei Ausgrabungen in einem aktiven Kalksteinbruch ausgegraben. Es erforderte mehr als 120 Stunden akribischer mechanischer Arbeit mit pneumatischen Werkzeugen und Nadeln, bevor die Forscher es untersuchen konnten. Das Forschungsteam hinter der Entdeckung sind Felix Augustin, Andreas Matzke, Panagiotis Kampouridis und Josephina Hartung von der Universität Tübingen und Raimund Albersdörfer vom Dinosaurier Museum Altmühltal.

“Das Gestein des Steinbruchs, in dem das neue Pterodactylus-Exemplar gefunden wurde, besteht aus verkieseltem Kalkstein, der auf das obere Kimmeridgium (vor etwa 152 Millionen Jahren) datiert wurde. Bisher hatte man Pterodactylus nur in jüngeren Gesteinen Süddeutschlands gefunden, die zum Tithonium gehören. Diese Stufe folgt auf das Kimmeridgium.”

erklärt Felix Augustin von der Universität Tübingen, Erstautor der Studie.

Bei dem Exemplar handelt es sich um ein vollständiges, gut erhaltenes Skelett eines kleinwüchsigen Individuums. “Es fehlt nur ein sehr kleiner Teil des linken Unterkiefers sowie des linken und rechten Schienbeins. Ansonsten ist das Skelett nahezu perfekt erhalten, jeder Knochen ist vorhanden und befindet sich in seiner ungefähren anatomischen Position”, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Mit einem 5 cm langen Schädel stellt der Painten-Pterodactylus ein seltenes “subadultes” Individuum dar.

“Im Allgemeinen sind die Pterodactylus-Exemplare nicht gleichmäßig über den gesamten Größenbereich verteilt, sondern fallen überwiegend in verschiedene Größenklassen, die durch deutliche Lücken voneinander getrennt sind. Das Exemplar aus Painten ist ein seltener Vertreter der ersten Lücke zwischen den kleinen und großen Exemplaren”,

erklärt Augustin.

“Der Pterodactylus von Painten befand sich zum Zeitpunkt seines Todes in einem mittleren, seltenen ontogenetischen Alter zwischen zwei aufeinanderfolgenden Altersklassen.”

Der Steinbruch von Painten hat viele andere “hervorragend erhaltene Fossilien” hervorgebracht, darunter Ichthyosaurier, Schildkröten, marine und terrestrische Krokodilverwandte und Dinosaurier. Viele von ihnen, wie dieses neue Flugsaurier-Exemplar, sind im neuen Dinosaurier-Museum Altmühltal in Denkendorf (Bayern, Deutschland) zu bestaunen.


Veröffentlichung: Felix J. Augustin et al, The geologically oldest specimen of Pterodactylus: a new exquisitely preserved skeleton from the Upper Jurassic (Kimmeridgian) Plattenkalk deposits of Painten (Bavaria, Germany), Fossil Record (2022).  DOI: 10.3897/fr.25.90692

Quelle: off. Pm der Universität Tübingen

Titelbildunterschrift: Pterodactylus antiquus, DMA-JP-2014/004, aus der oberjurassischen (kimmeridgischen) Torleite-Formation von Painten; Übersichtsfoto. (Bildnachweis: Augustin et al.)


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Pia Gaupels

Gründerin bei GeoHorizon
Pia Gaupels, *86, Bibliotheksinformationsstudium an der TH Köln von 2007-2010. Studiert seit 2014 an der Universität Münster Geowissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf Planetare Geologie und Geoinformationswissenschaften. 2015 gründete Sie die Seite Geohorizon. Sie besitzt ausgeprägte Fähigkeiten in der Bild- und Videobearbeitung und arbeitet seit 2018 wieder als Bibliothekarin.

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