Luftkontamination durch Blei bereits seit 2000 Jahren

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Bisher ging die Forschung davon aus, dass es bezüglich der Luftverschmutzung mit Blei eine natürliche und somit nicht gesundheitsgefährdende Hintergrundbelastung gibt, die auch ohne die Existenz des Menschen gegeben wäre.
Ein Forscherteam um Alexander More vom Climate Change Institute der Harvard University  lieferte nun aber den eindeutigen Beweis, dass alles atmosphärische Blei anthropogen emittiert wird und das bereits seit 2000 Jahren. 

Das Schwermetall Blei gilt als extrem giftig, bereits in winzigen Mengen kann es das Nervensystem schädigen und die Fortpflanzung beeinträchtigen.  Vor allem bei Kindern kann eine schleichende Vergiftung zu mentalen Defiziten und Verhaltensstörungen führen. Wo die Grenze für eine erhöhte Belastung liegt und wo der natürliche, von Menschen unbeeinflusste, Gehalt der Atmosphäre liegt, war bisher unklar. Die Wissenschaftler der Harvard University untersuchten um dies zu klären einen Eisbohrkern aus den Alpen des italienisch-schweizerischen Grenzgebiet, genauer gesagt aus dem Colle Gnifetti Gletscher. Der Eisbohrkern bildet mit einer Länge von 72m  21 000 Jahre europäischer Geschichte ab.
Mittels hochgenauer lasergestützter Massenspektrometer-Analysen gelang es den Forschern den Bleigehalt bis auf ein Jahr genau zu rekonstruieren.

Ein Eisbohrkern aus dem Colle Gnifetti Gletscher lieferte die Bleimesswerte aus 2000 Jahren. © Nicole Spaulding/ University of Maine

Das Ergebnis der Analysen war ziemlich eindeutig, aber auch überraschend: „Die neuen Daten zeigen, dass die europäische Luft der letzten 2.000 Jahre nahezu ununterbrochen mit Blei aus menschlicher Aktivität verschmutzt wurde“, so die Forscher.

Somit konnte gezeigt werden, dass die Bleiwerte in der Luft bereits lange Zeit vor der industriellen Revolution erhöht waren. Quellen für das Schwermetall sind die Metallverarbeitung und der Erzabbau. Der eindeutige Beweis für die ausschließlich anthropogene Emission bzw. dafür, dass es keine natürliche Hintergrundbelastung gibt, liefern aber die Bohrkerndaten für die Jahre 1349 bis 1353: Für diese Zeit sacken die Werte abrupt unter die Nachweisgrenze ab, werden nahezu Null. Die Erklärung dafür ist in der Geschichte zu suchen: Zu dieser Zeit wütete die Pest in Europa, fast die Hälfte der Bevölkerung fiel ihr zum Opfer und starb. Als Folge davon kamen fast alle wirtschaftlichen Aktitvitäten zu Erliegen, so auch der Erzabbau und die Verarbeitung von Metallen.

„Als wir das Ausmaß dieses Absinkens sahen – und das nur ein einziges Mal in den gesamten 2.000 Jahren – waren wir fasziniert“, erklärt More.

 

 

Bleiwerte in der Luft vom Jahr 1 bis 2007, gut erkennbar: Das Absacken der Werte während der Pest-Pandemie in Europa © Alexander More/ AGU/ GeoHealth

Weitere Knicks in den Bleiwerten gab es im Jahr 1460, in der es eine weitere Epidemie gab und die Wirtschaft und somit die Nachfrage nach Blei einen Abschwung erlitten, sowie in 1885 als Folge einer starken Wirtschaftskrise.

Die Messwerte aus der Zeit der Pest belegen also, dass das Blei welches im Gestein in der Erdkruste vorliegt ohne das Zutun von Menschen nicht in die Luft gelangt.

„Die neuen Messungen bedeuten einen signifikanten Wandel in unserem Verständnis der atmosphärischen Bleibelastung“, erläutern die Forscher. „Denn das, was bisher als natürlicher Hintergrund galt und daher als gesundheitlich unbedenklich, war nicht natürlich. Es widerspricht auch unserer Annahme, dass vorindustrielle Bleiwerte keinen Effekt auf die menschliche Gesundheit hatten – weil sie natürlich waren.“

Quelle: GeoHealth, 2017; doi: 10.1002/2017GH000064

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