Triassisches Reptil hatte Vorderbeine wie ein Ameisenbär

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Während der Trias haben besonders die Reptilien viele diverse Formen hervorgebracht. Neben wichtigen Gruppen wie Dinosauriern, Krokodilen oder Schildkröten entstanden auch eine Vielzahl anderer Morphotypen, die teilweise nur bis zum Ende der Trias überdauerten. Ein Team um Adam Pritchard beschreibt in diesem Zusammenhang nun neue Fossilien eines Drepanosauriers, die zeigen: das Reptil hatte große Ähnlichkeiten zu den heutigen Zwergameisenbären.

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Bezogen auf Landwirbeltiere war die Trias eine Periode diverser Neuentwicklungen und Spezialisierungen. Zwar sind viele dieser evolutiven Experimente mit dem Ende der Trias wieder verschwunden, doch haben auch viele wichtige Gruppen der Reptilien ihren Ursprung in der Trias, darunter: Schildkröten, Krokodilartige, Plesiosaurier, Brückenechsen, Pterosaurier und natürlich Dinosaurier. Besonders die Archosauromorphen haben in dieser Periode eine hohe Diversität hervorgebracht.

Zu den rein-triassischen Reptilien gehörten auch die Drepanosaurier („Sichelechsen“). Diese sonderbaren Reptilien glichen mit ihren opponierenden Finger und Zehen und dem gebogenen Schwanz am ehesten den heutigen Chamäleons. Ähnlich diesen waren die Drepanosaurier aller Wahrscheinlichkeit nach auch Baumbewohner. Von einigen wenigen Wissenschaftlern wurden die Drepanosaurier sogar in die Nähe der Vögel gestellt (siehe hierzu Protoavis). Konsens ist aber mittlerweile, dass die Vögel Teil der Dinosaurier sind. Unabhängig davon waren einige Drepanosaurier eventuell tatsächlich zum Gleitflug fähig, ähnlich den heutigen Flughörnchen.

Lebendrekonstruktion des Drepanosauriers Megalancosaurus preonensis aus der Obertrias von Norditalien. von Nobu Tamura unter CC-BY 3.0
Lebendrekonstruktion des Drepanosauriers Megalancosaurus preonensis aus der Obertrias von Norditalien. von Nobu Tamura unter CC-BY 3.0

Eine weitere paläobiologische Eigenheit haben jetzt Wissenschaftler um Adam Pritchard, unter anderem von der Stony Brook University in New York, bei der namensgebenden Gattung Drepanosaurus gefunden. Drepanosaurus war bis jetzt nur aus der Obertrias von Italien bekannt, die neuen von Pritchard et al. beschriebenen Fossilien stammen dagegen aus der ebenfalls obertriassischen Chinle Formation in New Mexico, diese ist schon lange für ihre triassischen Wirbeltierfunde berühmt. Zu den neuen Drepanosaurus-Fossilien gehören zwei Vordergliedmaßen sowie mehrere einzelne Knochen weiterer Vorderextremitäten. Und hier zeigt sich: die Vorderbeine von Drepanosaurus waren unter allen Landwirbeltieren einzigartig.

Während bei allen anderen Landwirbeltieren Elle und Speiche ähnlich geformt sind und in etwa parallel zueinanderstehen, stehen die beiden Knochen bei Drepanosaurus in einem deutlichen Winkel voneinander ab. Gleichzeitig ist die Speiche noch leicht sanduhrförmig, die Elle bildet dagegen einen breiten, hauchdünnen Kamm aus. Weiterhin stehen statt der Elle nun Mond- und Dreiecksbein (zwei Handwurzelknochen) nahezu parallel zur Speiche. Auch bei Megalancosaurus, dem nächsten Verwandten von Drepanosaurus, sind diese beiden Handwurzelknochen bereits verlängert, allerdings bei weitem nicht so extrem wie es bei Drepanosaurus der Fall ist. Besonders auffällig an den robusten Vorderbeinen ist schließlich noch der stark vergrößerte zweite Finger, der eine große Klaue trägt.

Links: Lebendrekonstruktion von Drepanosaurus; Rechts: Heutiger Zwergameisenbär (Cyclopes didactylus). von Nobu Tamura und Quinten Questel, beide unter CC-BY 3.0
Links: Lebendrekonstruktion von Drepanosaurus; Rechts: Heutiger Zwergameisenbär (Cyclopes didactylus). von Nobu Tamura und Quinten Questel, beide unter CC-BY 3.0

Nach Ansicht der Wissenschaftler dürften die Vorderbeine von Drepanosaurus nicht sonderlich beweglich gewesen sein, eventuell waren nur Vor- und Rückwärtsbewegungen möglich. Alles in allem glich Drepanosaurus dabei am ehesten dem heutigen Zwergameisenbär (Cyclopes didactylus). Dieses kleine Säugetier ist über weite Teile Mittel- und Südamerikas verbreitet und lebt, im Gegensatz zu seinem größeren Verwandten, vorwiegend auf Bäumen. Dort ernährt er sich von Ameisen, Termiten und andere Insekten. Seine große Klaue (die im Gegensatz zu Drepanosaurus nicht am zweiten, sondern am dritten Finger sitzt), benutzt der Zwergameisenbär zum Aufbrechen von Insektenbauten (hier als Beispiel der Große Ameisenbär).

Auch aus der damaligen Chinle Formation sind verschiedene baumbewohnende Insekten überliefert, es spricht also einiges dafür, dass Drepanosaurus eine ähnliche ökologische Nische wie die rezenten Zwergameisenbären eingenommen hat und somit ein weiteres Beispiel für die diverse Reptilienfauna der Trias bildet.

Näheres hier: Pritchard et al., Extreme Modification of the Tetrapod Forelimb in a Triassic Diapsid Reptile, Current Biology (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2016.07.084

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Pascal Abel, 23, studiert Geowissenschaften im Master am GeoZentrum Nordbayern mit den Vertiefungen Paläobiologie und Sedimentologie. Interessenschwerpunkte sind Wirbeltiere, Paläoökologie und Paläoumwelt. Bloggt auch nebenbei noch auf www.erdgeschichten.wordpress.com

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