Larsen-C-Schelfeis kalbt Eisberg mit einem Gewicht von 1 Billion Tonne

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Nur drei Tage hat der eigentliche Prozess des Kalbens letztlich gedauert, am Dienstag den 11. Juli 2017 wurde die fast 6000 Quadratkilometer große Eisfläche noch auf einer Länge von fünf Kilometern gehalten, seit dem heutigen Mittwoch, 12. Juli 2017,  treibt der Gigant nun im Meer.

Mit einer Größe von 175 Kilometern Länge und einer Breite von 50 Kilometern (an der breitesten Stelle) weist der Eisberg eine Ausdehnung auf, die fast sieben Mal so groß ist, wie die Stadt Berlin.

Was sind die Folgen für die antarktische Region und den Meeresspiegel?
Bis wohin wird der riesige Eisberg driften?

Mit derartigen Fragen setzen sich Dr. Daniela Jansen, Glaziologin am Alfred-Wegener-Institut (AWI), Klimaforscher Dr. Thomas Rackow und Forscher des Project MIDAS,  (ein Forschungsprojekt der Swansea University, Vereinigtes Königreich) auseinander.

Schelfeise sind dicke, schwimmende Eisplatten, die die Küste der Antarktis säumen. Sie entstehen, wenn sich Eis über sogenannte Auslassgletscher vom Inland in den Ozean bewegt und dort, an der Gründungslinie, aufzuschwimmen beginnt. Münden mehrere Gletscher in den Ozean, so vereinen sich die Eisplatten meist zum sogenannten Schelfeis. Durch die Schelfeise können sich Veränderungen bis ins Inlandeis fortpflanzen, z.B. verlieren Eisschilde im Inland  an Masse, wenn Gletscher in Schelfeise münden und diese in Kontakt mit wärmerem Wasser treten.
Schelfeise schieben sich langsam aber kontinuierlich weiter in Richtung Meer (im Falle des Larsen-Schelfeises rückt die Kante pro Jahr etwa 700 m auf den Ozean zu), dies ist ein natürlicher Prozess und hat etwa alle 15 bis 20 Jahre ein Kalben zur Folge, doch dieser Gleichgewichtsprozess wurde bei den nördlichen Nachbarn des Larsen-C-Schelfeises aus der Balance gebracht und hatte dann den Zerfall des Schelfeises zur Folge.
Der dabei entstandene, 100 Meter breite,  Riss wurde bereits seit Jahren mit Hilfe von Satelliten- bzw. Radaraufnahmen der Satelliten TerraSAR-X und Sentinel-1 beobachtet und überwacht (die genannten Satelliten bringen den Vorteil, dass sie auch bei Bewölkung und während der Polarnacht Daten liefern). Im Mai diesen Jahres hatte sich der Riss sogar mehrmals aufgegabelt und war bereits bis auf 20 Kilometer an die Eiskante herangekommen.
Kurz vor dem Kalben hatte der Eisberg sein Tempo verdreifacht und zeigte Strömungsgeschwindigkeiten, die höher waren, als sie jemals auf Larsen-C gemessen wurden.

Detailaufnahme des Risses im Larsen-C-Schelfeis im November 2016.
Bildrechte: John Sonntag/NASA

Der gekalbte Eisberg weist ein Gewicht von mehr als einer Billion Tonnen auf,  er ist somit einer der größten Eisberge, den die Menschheit je registrierte, und reduziert die Region des Larsen-C-Schelfeises um 12% seiner Ausdehnung, doch da die Eismasse bereits vor dem Kalben auf dem Ozeanwasser trieb, wird die Abspaltung  solch einer enormen Menge Eis den Meeresspiegel nicht ummittelbar beeinflussen.
Die Forscher des MIDAS-Projekts befürchten jedoch, dass das Kalben den Rest des Schelfeises soweit destabilisieren könnte, dass es, ebenso wie das Larsen-B-Schelfeis  fünfzehn Jahre zuvor, komplett zerfällt. Den Meeresspiegel würde dies nicht beeinflussen, da das Schelfeis bereits im Meer schwimmt, allerdings würde der Verlust des Schelfeises dazu führen, dass Gletscher direkt ins Meer münden und dadurch viel schneller abfließen können als zuvor.

„Wie weit der Eisberg treiben wird, hängt unter anderem von der Bodentopographie ab. Er könnte als ganzer Eisberg erhalten bleiben oder schnell in viele kleinere Stücke zerfallen. Im ersten Fall stehen die Chancen gut, dass er zunächst für etwa ein Jahr entlang der Antarktischen Halbinsel durch das Weddellmeer treiben wird. Dann dürfte er Kurs Richtung Nordosten nehmen. Das heißt, er würde in etwa Südgeorgien oder die Süd-Sandwichinseln ansteuern und hier verstärkt schmelzen, angetrieben wird die Bewegung solch großer Eisberge vor allem durch ihr Eigengewicht und die Tatsache, dass die Oberfläche des Weddellmeeres keine ebene Fläche ist, sondern durch die vorherrschenden Winde zur Küste hin bis zu 0,5 Meter ansteigt. Vereinfacht gesagt rutschen neu gekalbte Eisberge daher zunächst die schräge Meeresoberfläche hinunter; durch die Corioliskraft, welche auf die Erdrotation zurückzuführen ist, wird ein Eisberg dieser Größe aber letztlich auf eine Bahn parallel zur Küste gelenkt, ähnlich dem Verlauf des Küstenstroms. Sobald der Eisberg die Spitze der Antarktischen Halbinsel passiert hat, wird er nach dem gleichen Prinzip höchstwahrscheinlich entlang der nördlichen Grenze des Weddellwirbels nach Osten treiben“, erörtert Dr. Thomas Rackow in seiner Rolle als AWI-Modellierer, basierend auf einer aktuellen Studie zur Eisberg Drift in der Antarktis.

Quellen:
Pressemitteilung des AWI, 12.07.2017
Pressemitteilung Project MIDAS, 12.07.2017

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